Wittenberg - Mit starken ökumenischen Akzenten hat es am Reformationstag begonnen: das Gedenkjahr an den Beginn der Reformation, der mit dem 31. Oktober 1517 verbunden wird, an dem Martin Luther (1483-1546) in Wittenberg seine 95 Thesen zum Ablass veröffentlichte.

Papst Franziskus traf sich mit der Spitze des Lutherischen Weltbunds im schwedischen Lund, um gemeinsam in einem Versöhnungsgottesdienst den Dank für die inzwischen erreichte Gemeinschaft zu bekunden und in einem Bußakt auch an die gegenseitigen Verfehlungen und Gewalttaten in der Vergangenheit zu erinnern. In Berlin ehrte zur gleichen Zeit die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit ihrer Martin-Luther-Medaille erstmals einen Katholiken, den ehemaligen Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann. Beim anschließenden Staatsakt sprach Bundespräsident Joachim Gauck.

Nach dem „kraftvollen“ Auftakt – so der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm – schaltete die evangelische Kirche erst einmal einen Gang herunter und absolvierte ihre turnusmäßigen Herbstsynoden. Das Jubiläums-Thema wird derweil regional im Rahmen des „Europäischen Stationenwegs“ den Winter über im Gespräch gehalten, wobei ein Ausstellungs-Lkw 67 „Reformationsstädte“ in 19 Ländern Europas besucht.

Der Beginn des Jubiläums- oder Gedenkjahrs war im Übrigen geprägt durch zahlreiche Buch-Veröffentlichungen. Allen voran die revidierte Luther-Bibel, von der in kürzester Zeit bereits die Erstauflage von 180 000 Exemplaren vergriffen war.

Bis dahin gibt es auch noch zwei besondere ökumenisch geprägte Termine: Am 9. Februar stellen die EKD und die Deutsche Bischofskonferenz bei einer Tagung in Stuttgart ihre revidierten Bibelübersetzungen zur Diskussion. Am 11. März gibt es in der Hildesheimer Sankt-Michaelis-Kirche den nationalen Versöhnungsgottesdienst, zu dem die Kirchen bereits im September das „gemeinsame Wort“ mit dem Titel „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“ vorgelegt haben.

Dann geht es Schlag auf Schlag weiter: Drei große „nationale Sonderausstellungen“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin sowie auf der Wartburg und in Wittenberg widmen sich der weltweiten Wirkung des Reformators, seinem Bild bei „den Deutschen“ sowie dem Menschen Luther.

Insgesamt rechnen die Veranstalter im „Reformationssommer“ mit einer halben Million Gäste allein in Wittenberg, das im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. In der 50 000 Einwohner zählenden Lutherstadt gibt es eine „Weltausstellung Reformation“. Zu den Attraktionen zählt das bereits eröffnete Panorama des Künstlers Yadegar Asisi über die Zeit der Reformation.