Berlin/Kremmen - Die AfD steuert nach Ansicht führender Parteimitglieder auf eine existenzielle Krise zu. Grund ist der Führungsstreit zwischen den Parteichefs Frauke Petry und Jörg Meuthen, aber auch der Umgang mit Antisemitismus. Meuthen selbst warnt bereits vor dem Zerfall: „Es ist eine existenzielle Frage, ob es uns gelingt, uns glaubhaft von Extremismus und Antisemitismus abzugrenzen“, sagte er dem „Tagesspiegel am Sonntag“. „Schaffen wir es nicht, gehen wir unter.“
Unter dem Eindruck der Konflikte ist die AfD in der jüngsten Emnid-Umfrage auf den niedrigsten Wert seit Januar gefallen. Dort kommt die Partei nur noch auf zehn Prozent (minus eins). Im ARD-„Deutschlandtrend“ war die AfD um drei Punkte auf zwölf Prozent abgesackt, im ZDF-„Politbarometer“ auf elf Prozent (minus eins).
Vorläufiger Höhepunkt der Streitigkeiten in der AfD war vergangene Woche der Konflikt über die antisemitischen Äußerungen des baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon. Weil in der Landtagsfraktion die notwendige Mehrheit für den Ausschluss Gedeons nicht zustande kam, verließ Meuthen mit zwölf Mitstreitern die Fraktion und gründete eine neue. Petry forderte vergeblich, die Spaltung rückgängig zu machen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz und mehrere Landesämter prüfen laut „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ zurzeit anhand öffentlicher Quellen, ob die AfD oder einzelne ihrer Strömungen beobachtet werden sollen. Schon jetzt seien Einzelpersonen im Visier.
Meuthen und Petry versandten am Sonnabend ein Schreiben an die Parteimitglieder, in dem sie Übereinstimmung im Kampf gegen Extremismus demonstrieren. Zugleich versicherten sie, dass sie die Partei weiter gemeinsam führen wollten.
Brandenburgs AfD-Landeschef Alexander Gauland kritisierte Petry für ihre Einmischung in Stuttgart scharf. „Das wollen wir in unserem Landesverband nicht, das wollen die Kollegen in den anderen Landesverbänden nicht – und deswegen darf es das nicht geben“, sagte er auf einem Parteitag in Kremmen in Anwesenheit Petrys.
