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Integration „Ohne Ehrenamt geht es nicht“

Wüsting - Behördengänge, Arztbesuche, Übersetzung von Rechnungen und anderen Dokumenten, Deutschunterricht sowie Reparatur-Arbeiten – bei der Familie Mohammadi in Wüsting gibt es immer viel zu tun. Rund zehn Ehrenamtliche kümmern sich um die Begleitung der Familie.

Im August 2015 kam die damals noch siebenköpfige Familie aus Afghanistan nach Deutschland, lebte zunächst in der Erstaufnahmestation in Bramsche, kam im Dezember 2015 nach Hude und lebt nun seit Juli in Wüsting. Dort hatte man sich, wie berichtet, auf viele Flüchtlinge eingestellt (siehe Kasten). Aber Mohammadis sind derzeit, mit einem unbegleiteten Flüchtling, die einzigen Menschen, die im Zuge des Flüchtlingsstroms nach Wüsting kamen.

Denn im Juli 2016 wurde der jüngste Spross der Familie, Benjamin, geboren und die Wohnung in Hude war zu klein. Seitdem leben Vater Khalil (43), Mama Farzana (38), Fardina (17), Faizal (16), Fahim (15), Nazan (10) und Sahra (8) in einer Fünf-Zimmer Wohnung im Herzen von Wüsting. Und werden in allen Belangen von den Ehrenamtlichen betreut.

38 Tagen in neue Heimat

Die Familie ist mittlerweile anerkannt und hat eine dreijährige Aufenthaltsgenehmigung. Sie stammt aus Afghanistan, genauer aus Herat, der zweitgrößten Stadt im Land. Vater Khalil arbeite als Lkw-Fahrer bei der Nato. Die Arbeit bei einer ausländischen Organisation wurde von der Taliban nicht gerngesehen. Die Familie wurde bedrängt, erhielt Morddrohungen. Im Sommer 2015 brach die Familie in Herat ihre Zelte ab und schaffte es innerhalb von exakt 38 Tagen nach Deutschland.

Die Reise war gefährlich, erzählt Tochter Fardina. Mit Zug, Auto, zu Fuß und mit dem Schlauchboot ging es in eine bessere und sichere Zukunft. Und die hat die Familie zu 100 Prozent in Wüsting gefunden, wie Mutter Farzana bestätigt: „Wir fühlen uns sicher und leben ohne Angst.“ Farzana erhält, weil sie Benjamin versorgen muss, in der Wohnung der Familie von einem der Ehrenamtlichen Deutschunterricht. Und sie wird auch von den Freiwilligen zu den nötigen Untersuchung für den siebenmonatigen Sprössling begleitet.

Es gehe alles seinen Gang, bestätigt Vater Khalil, der zurzeit einen Integrationskursus besucht. Auch bei der Beantragung dieser und weitere Kurse herrscht Unterstützungsbedarf, wie Pastor Udo Dreyer von der evangelischen Kirchengemeinde Holle-Wüsting erzählt. Auch bei der Suche nach einem Job wurde der Familienvater unterstützt, wie Dolmetscher und Helfer Wahid Staeding berichtet: Er arbeitet in einer Autowaschanlage auf 450-Euro-Basis.

Schule in Deutschland

Derweil sind die fünf schulpflichtigen Kinder in das Bildungssystem integriert. Fardina und Faizal besuchen zurzeit die Volkshochschule Wildeshausen. Faizal ist derzeit der Beste in seinem Deutsch-Kursus, er hat schon ein Praktikum beim Supermarkt NP und bei einer Computerfirma gemacht. Bereits in seiner afghanischen Heimat hat der 16-Jährige Computer repariert und bezeichnet dies als sein liebstes Hobby. Er möchte einen Hauptschulabschluss schaffen und später im Bereich Psychologie arbeiten.

Zahnärztin ist das Ziel seiner Schwester Fardina. Nach ihrem Kursus an der VHS, in dem sie schon gut Deutsch gelernt hat, strebt auch sie einen Hauptschulabschluss und eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin an. Fahim besucht die Peter-Ustinov-Oberschule in Hude. Vier Stunden Sprachunterricht findet der 15-Jährige zu wenig. Ansonsten nimmt der Jugendliche am ganz normalen Schulalltag mit Mathe, Physik und Erdkunde teil. Seit 15 Monaten besucht Fahim nun eine deutsche Schule, den Unterricht findet er gut.

Nazan und Sahra besuchen die dritte Klasse der Grundschule Wüsting. Sie verstehen und sprechen die neue Sprache fließend, Mathe ist ihr Lieblingsfach. „Sahra und Nazan bekommen von Anfang an alles mit. Das Hauptaugenmerk liegt bei allen anderen auf der Sprache, aber auch die Grundkentnisse in allen Fächern sind wichtig“, sagt Mareike Vogt. Darauf sei das Schulsystem nicht ausgelegt.

Die Familie fühlt sich gut aufgehoben und betreut. „Ohne Ehrenamt geht es nicht“, so Vogt. Dass Wichtigste, so Vater Khalil, ist aber der Friede in Deutschland.

Mareike Fangmann
Mareike Fangmann Redaktion Münsterland
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