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NWZonline.de Nachrichten Politik

Katastrophal

22.09.2018

Oldenburg Was sich seit rund zwei Wochen auf dem Testgelände der Bundeswehr in Meppen abspielt, ist eine Katastrophe in mehrfacher Hinsicht:

> Für die Umwelt

> Für uns Menschen im Nordwesten, insbesondere für die Anwohner in den nahegelegenen Ortschaften wie Stavern und Sögel

> und es ist ein Desaster für die Bundeswehr.

Der anfängliche Hohn über das offensichtliche Unvermögen („Wer hätte auch ahnen können, dass die Rakete wirklich funktioniert?“, unkte bereits die „ZDF heute-show“), ist in den sozialen Medien vielerorts in Wut umgeschlagen. Wut über die schlechte Kommunikationspolitik der Truppe, aber vor allem Wut über die bis zuletzt gebetsmühlenartig wiederholten Aussagen der Verantwortlichen, die über den Nordwesten ziehende und sogar aus dem Weltall sichtbare Rauchwolke sei ungefährlich.

Alle Informationen zum Moorbrand in Meppen finden Sie im NWZ-Spezial

Denn mittlerweile haben Lungenärzte erklärt, aus ihrer Sicht sei das Gegenteil der Fall und die erhöhte Feinstaubbelastung durchaus ein Problem – vor allem für Kinder, Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen. Von den Hunderten Helfern die vor Ort bis an ihre Belastungsgrenzen gehen, ganz zu schweigen. Ein Experte spricht gar von einer „Schutzbehauptung“ der Bundeswehr. Dieser Widerspruch muss dringend aufgeklärt werden, das sind die Verantwortlichen der verunsicherten Bevölkerung schuldig. Jetzt, und nicht erst, wenn der Moorbrand irgendwann ein juristisches Nachspiel hat – ein Grünen-Politiker hat bereits Anzeige wegen fahrlässiger Brandstiftung erstattet. Dass am Freitag der Katastrophenfall ausgerufen wurde beweist, wie ernst die Lage in Meppen tatsächlich ist. Dass sich Ministerin Ursula von der Leyen nun öffentlich entschuldigt, Fehler eingestanden und angekündigt hat, sich am Samstag selbst ein Bild vor Ort machen zu wollen, kommt schon fast zu spät, ist aber ein Schritt in die richtige Richtung. Oder doch nur der Versuch einer Schadensbegrenzung? Immerhin wurde mittlerweile auch ein Bürgertelefon eingerichtet.

Sehen Sie hier eine ausführliche Video-Analyse zur Lage in Meppen und dem Kommunikationsdesaster der Bundeswehr:

Der Moorbrand ist zwar nur der Fehler einer Einheit, doch die Auswirkungen auf das Image der Truppe insgesamt sind verheerend. Es ist die Fortsetzung einer Reihe negativer Schlagzeilen (nicht einsatzbereites Fluggerät, Zustand der Truppe, fragwürdige Nachwuchskampagnen, Raketen-Unfall auf der Fregatte Sachsen), die ein schlechtes Licht auf die Bundeswehr werfen. Erschwerend kommt in diesem Fall hinzu, dass der Moorbrand für die Menschen in der Region greifbar ist: Man kann den Rauch riechen, sehen und in der Lunge fühlen. Es ist quasi ein Bundeswehr-Debakel zum Anfassen. Das die Soldaten bei Naturkatastrophen wie dem Waldbrand in Brandenburg oder bei Hochwasserlagen helfen, gerät da schnell in Vergessenheit.

Um zu retten, was in Meppen noch zu retten ist, bedarf es bei der Bundeswehr nun vor allem einer Tugend: Transparenz.

Statement von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)

„Die Wehrtechnische Dienststelle in Meppen leistet unverzichtbare Arbeit für die Bundeswehr. Ihre Forschung ist wichtig, weil sie dem Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten dient. Aber es steht außer Frage, dass ein Moorbrand dieses Ausmaßes ein sehr ernster Vorfall ist, der so nicht passieren darf.

Ich entschuldige mich im Namen der Bundeswehr bei allen Menschen der Region die jetzt unter den Auswirkungen des Brandes leiden. Natürlich werden wir auch die völlig berechtigte Frage klären, ob die den Brand auslösenden Munitionstests in dieser Form nötig und verantwortbar waren. Das Ergebnis werden wir selbstverständlich veröffentlichen. Doch jetzt geht es erst einmal darum, Schulter an Schulter mit dem Land Niedersachsen und der kommunalen Ebene alle Kräfte auf die Bekämpfung des Brandes zu richten.

Ich komme aber auch nach Meppen, weil dich den vielen Helfern von Feuerwehren und THW danken möchte die schon so lange mit hohem persönlichen Einsatz gegen den Brand kämpfen. Sie sollen jede Unterstützung der Bundeswehr bekommen, die sie benötigen. Das Vorauskommando der Spezialpioniere ist seit Donnerstagabend vor Ort und wird so lange bleiben, bis der Moorbrand gelöscht ist. Ich will im Emsland aber auch mit den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung sprechen, insbesondere den Bürgermeistern der betroffenen Ortschaften und Gemeinden. Von ihnen möchte ich hören, was aus ihrer Sicht anfangs schlecht gelaufen ist, wo die Bundeswehr jetzt noch mehr unterstützen kann und was sie in Zukunft von der WTD erwarten. Wir werden hart daran arbeiten, die über Jahrzehnte gewachsene Partnerschaft zwischen der Bundeswehr und den Menschen im Emsland wieder mit neuem Vertrauen zu füllen.“

Christian Ahlers Redakteur / Online-Redaktion
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