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NWZonline.de Nachrichten Politik

So zerstört die CDU ihr Image bei jungen Wählern selbst

24.05.2019

Oldenburg /Berlin Es sind Klickzahlen, von denen viele Talk-Shows träumen: Mehr als fünf Millionen Mal wurde das Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo bis zum Donnerstagnachmittag aufgerufen. In dem 55-minütigen Clip heißt es, die Christdemokraten zerstören „unser Leben und unsere Zukunft“ – dabei spielt Rezo vor allem auf die umstrittene Klimapolitik der Union an. Die Reaktion vieler Politiker der Volkspartei ließ nicht lange auf sich warten – und diese beweist einmal mehr, dass die CDU für die jüngere Generation unwählbar ist.

Generalsekretär Paul Ziemiak warf dem Youtuber beispielsweise Falschbehauptungen und Populismus vor. Auf welche Aussagen er sich konkret bezieht, teilte Ziemiak allerdings zunächst nicht mit.

Und hier beginnt das Image-Debakel der CDU.

Mag sein, dass das Video einseitig ist, aber gerade da wäre es ein wichtiges Zeichen mit Argumenten auf die Vorwürfe einzugehen – und so zu zeigen, dass man die Sorgen der jüngeren Generationen ernst nimmt. Doch statt die Steilvorlage zu nutzen und öffentlichkeitswirksam eine seriöse Antwort zu liefern, geben die Christdemokraten ein verheerendes Bild ab. Teilweise wird das Video von der Parteiführung sogar ins Lächerliche gezogen: „Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab“, ließ sich beispielsweise Annegret Kramp-Karrenbauer zitieren. Davon mal abgesehen, dass im Alten Testament von zehn Plagen die Rede ist, offenbart die Bundesvorsitzende der CDU eine selbstherrliche Wahrnehmung, die sich noch rächen wird.

Youtuber Rezo (Bild: dpa)

Denn was die Parteiführung offenbar völlig unterschätzt: Rezo (2,2 Millionen Abonnenten) spricht mit seinem Video aus, was Hunderttausende junge Menschen – und damit potenzielle Wähler – denken. Viele CDU-Politiker haben schon beim Klimawandel beziehungsweise den weltweiten Friday-for-Future-Demos gezeigt, was sie von der Meinung Jüngerer halten: Nichts. Statt auf die Sorgen einzugehen, hagelte es Schwänzerei-Vorwürfe (Artikel von Zeitonline). Mit seiner viel diskutierten 55-minütigen Abrechnung verschärft der Youtuber nun das Desaster der CDU, wie die zahlreichen Reaktionen in Sozialen Netzwerken zeigen – und die kommen keineswegs nur von Schülern, die erst in ein paar Jahren das erste Mal an die Urne dürfen.

Dass es auch anders geht, hatte Kanzlerin Angela Merkel 2015 bewiesen, als sie sich mehreren Youtubern, darunter LeFloid, in einem ausführlichen Interview stellte. Ihre designierten Nachfolger lassen dieses Gespür komplett vermissen. Ein weiterer Beleg dafür: Ein von der Nachwuchs-Hoffnung Philipp Amthor (26) gedrehtes Antwort-Video wurde gar nicht erst veröffentlicht, stattdessen machte ein offener Brief der Christdemokraten (Link führt auf Internetseite der CDU) alles nur noch schlimmer: Man wolle Politik nicht zum Spektakel machen und wisse ja, was man für das Land getan habe. Der Rest sind wenig Argumente, dafür jede Menge Selbstbeweihräucherung.

Später am Tag änderte zumindest Generalsekretär Ziemiak seine Meinung, schlug ein Treffen mit Rezo vor und veröffentlichte eine zehnseitige Antwort auf das Video. Genauer: eine zehnseitige Bleiwüste. Fraglich, ob man so die Youtube-Generation erreicht. Im Kopf bleibt diesen wohl hauptsächlich das Rumgeeiere zuvor. So zerstört die CDU ihr Image selbst.

Christian Ahlers Redakteur / Online-Redaktion
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