OLDENBURG - Alle zwei Jahre arbeiten Reservisten eine Woche im Evangelischen Krankenhaus. Personal soll Vertrauen aufbauen.
von patrick buck
OLDENBURG - Mit Schulterklappen kehrte er zurück: Dr. Jörg Stypmann ist heute Oberarzt für Kardiologie an der Uniklinik Münster. Vor 30 Jahren absolvierte er in seiner Heimat Oldenburg ein Praktikum am Evangelischen Krankenhaus. In dieser Woche war er wieder da – als Soldat im Rang eines Oberstabsarztes für eine Wehrübung der Bundeswehr.27 Reservisten wurden für die einwöchige Übung eingezogen. Sie sind Teil der Reservelazarettgruppe 7209. Diese, sowie sieben weitere in Niedersachsen angesiedelte Gruppen, sollten in der Zeit des Kalten Krieges Material und Personal für die Behandlung von Verwundeten im Krisenfall sicherstellen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs haben sich die Aufgaben verändert.
Heute werden diese Reservisten eingesetzt, um zivile Krankenhäuser im so genannten Großschadensfall, zum Beispiel nach Sturmfluten, Zugunglücken oder auch Terroranschlägen, zu unterstützen. „Wir müssen das Personal so verstärken können, dass ein Drei-Schichten-Betrieb möglich ist“, erklärt Oberstarzt Dr. Hans-Georg Gellhaar. Der Kommandeur der Gruppe ist selbst auch Reservist, eigentlich ist er Urologe in Bielefeld.
Für den Ernstfall muss trainiert werden. Eine Wehrübung gibt es im Evangelischen Krankenhaus alle zwei Jahre. Die Teilzeitsoldaten sind schon fachlich ausgebildet, unter ihnen findet man Krankenschwestern, Therapeuten und Ärzte. Sie sollen das Krankenhaus, das Stammpersonal und die Abläufe kennen lernen.
„Man muss auch einfach wissen, wo es zum OP geht, damit im Notfall alles klappt“, sagt Schwester Monika Schinski, stellvertretende Pflegedirektorin des Krankenhauses. Zu diesem Zweck werden die Soldaten in Weiß eine Woche lang voll in den Dienstplan integriert, sie behandeln Patienten und operieren.
Schwester Schinski arbeitet seit Jahren mit der Bundeswehr zusammen, wenn es um die Organisation der Übungen geht. Bisher gab es nur positive Erfahrungen. Patienten seien zwar oft von den Rangabzeichen auf der weißen Uniform überrascht, wären dann aber sehr interessiert, mehr über den Grund der ungewöhnlichen Situation zu erfahren, so Schinski.
Für die Mitarbeiter des Krankenhauses geht es hauptsächlich darum, sich mit den Kollegen von der Bundeswehr vertraut zu machen. Man kennt sich, viele der Soldaten waren schon beim letzten Mal dabei. Das Verhältnis ist so gut, dass die Lazarettgruppe Schwester Schinski zum Ehrenspieß ernannte und mit einer goldenen Kordel auszeichnete. Der Oldenburger Oberstabsarzt Dr. Stypmann schätzt an der Wehrübung besonders den Austausch mit anderen Medizinern. „Man spricht mit vielen Kollegen, kann Erfahrungen austauschen und lernt eventuell sogar neue Techniken kennen“, erzählt er.
Dass er auch Verwandte in seiner alten Heimatstadt besuchen kann, sei natürlich ein schöner Nebeneffekt.
