OLDENBURG - Das Problem mit Herrn Kalkofe ist dieses: Viele seiner Aussagen sind einfach nicht zitierfähig. Wer den Fäkalhumoristen kennt, ist mit seinem vulgären Wortwitz freilich bestens vertraut. Und doch sitzen in der Kulturetage einige Besucher, die in der ersten Hälfte des Live-Programms verdächtig oft den Kopf schütteln.

Zum Beispiel, als Kalkofe das Thema Bundestagswahl aufgreift. So habe Angela Merkel nach der ersten Hochrechnung ausgesehen wie ein „menstruierender Mops mit Migräne“, als ihr bewusst wurde, dass sie jetzt „den Guido an den Hacken“ hat. Und die beiden Köpfe der schwarz-gelben Koalition sind für Kalkofe die „Biene Merkel und ihr Wester-Willi“.

Der Applaus hält sich noch in Grenzen. Die Zuschauer warten darauf, dass Kalkofe das macht, was ihn auszeichnet: das Fernsehprogramm wie in seiner „Mattscheibe“ auseinander nehmen. Doch das dauert noch.

Zunächst stellt er einen Kalender aus Marzahn-Hellersdorf in Berlin vor, in dem „junge coole Menschen mit ohne Sachen an“ zu sehen sind, zum Beispiel „Ronny und sein Bruder, der Mandy“. Kalkofe spießt alte Tabak- und Alkoholwerbeplakate auf und mokiert sich über das CDU-Wahlplakat mit den tiefen Dekolletees „Das sind Überhangmandate.“

Wer Kalkofe bereits im Januar in Cloppenburg gesehen hat, bekommt an diesem Abend nur wenig Neues geboten und wird obendrein enttäuscht sein, dass er nicht in eine seiner Paraderollen, Onkel Hotte, schlüpft.

Stattdessen philosophiert der Satiriker darüber, wie es wohl gewesen wäre, wenn Hitler getwittert hätte: „An meine Community. Sitze allein im Bunker. Hab keinen Bock mehr. Ich glaub’, ich zünde mich an. Lol.“

Dann endlich gibt es sie doch: die Mattscheibe. Kalkofe bietet einen Mix aus „Gräfin gesucht“ und „Giulia in Love“ und beschäftigt sich später mit einem „gesendeten Vakuum aus dem schwarzen Loch der Dämlichkeit“: „Uri Geller – Ufos und Aliens live“. Die Sendung sei so spannend, wie einem Kühlschrank beim Abtauen zuzusehen. Sein Fazit: „Fernsehen macht nicht doof. Aber doofes Fernsehen macht die Doofen noch dööfer.“

Das Publikum tobt. Erst recht, als Kalkofe für seine Zugabe als Mentalist Vincent Raven noch einmal auf die Bühne kommt und findet, er sehe aus wie „Matthias Reim mit Vogelgrippe“.

Weniger Wahl und mehr Mattscheibe hätte dem Publikum vermutlich noch besser gefallen. Fernsehen kritisieren kann Kalkofe eben doch viel besser.