OLDENBURG - Verkehrte Welt im Stadt-Süden: Der Verlierer von 2003 kann sich einigermaßen entspannt zurücklehnen nen, der Nachfolger bei den Gewinnern steht vor einem Schicksalskampf. Auch das ist Politik.
Bei der SPD tritt der Parteivorsitzende Wolfgang Wulf noch einmal an. Er hat den Wahlkreis 1994 (gegen Josef Dierkes) und 1998 (gegen Corinna Martens) gewonnen und in der rabenschwarzen Nacht vom 2. Februar 2003 an Daniela Pfeiffer verloren. Sein Glück: Die SPD schnitt vor fünf Jahren so miserabel ab, dass die Landesliste weit reichte und Wulf auf seinem normalerweise aussichtslosen Platz in den Fünfzigern das Mandat rettete.
Wulfs erneuter Antritt lief innerhalb der Partei letztlich reibungslos – wohl auch, weil er selbst seine letzte Landtagsperiode angekündigt hatte. Aber er hatte aus der Niederlage gelernt und sich intern nach vorn gearbeitet. Jetzt hat er doppelte Chancen: Entweder er gewinnt – oder sein Listenplatz 34 reicht allemal für Hannover.
Davon kann Christdemokrat Gerd Hochmann nur träumen. Der erfahrene Kommunalpolitiker (zwei Jahrzehnte im Rat) hat es geschafft, einer amtierenden Landtagsabgeordneten die Kandidatur abzunehmen. Hochmann hatte seinen Hut in den Ring geworfen, als das Grummeln in der Partei über Daniela Pfeiffer lauter wurde, und sich dann im ersten Wahlgang gegen zwei Frauen durchgesetzt. Jetzt wird’s schwerer: Hochmann muss den (häufiger an die SPD gefallenen) Wahlkreis unbedingt gewinnen, sein Listenplatz 66 ist nur von statistischem Interesse.
Im Landtag bleiben wird Ralf Briese. Der Grüne zog 2003 auf Platz 8 der Liste nach Hannover. Da steht er diesmal wieder – und der sollte reichen.
Das Gegenteil gilt für Nils Krummacker. Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion im Rat kandidiert zum dritten Mal in Folge in dem Wahlkreis, hat aber persönlich immer mehr auf die Kommunalpolitik gesetzt. Auf Listenplatz 37 aber gilt (wie früher) für ihn nur das olympische Motto.
Hans-Henning Adler orientiert sich da etwas anders. Der Vorsitzende der Linken-Ratsfraktion probt nach mehr als elf Jahren im Rat den Einstieg in die Landespolitik. Der führende Kopf der Oldenburger Linken steht auf Platz 8 der Landesliste seiner Partei. Wenn’s für die Linken reichen sollte, muss das noch nicht zwingend für Adler reichen. 5,3 bis 5,5 Prozent dürften’s da schon sein (alle Sonderfälle mit Überhangmandaten mal außer acht gelassen).
Das Sextett im Süden komplettiert Manfred Drieling. Der hat eine etwas buntere Karriere hinter sich. Der saß bis zur Kommunalwahl für die CDU im Rat (bei der er sich früher schon mal erfolglos um eine Landtagskandidatur bemüht hatte), wechselte dann erst zur BFO und – nachdem er für die in den Rat gewählt worden war – zur Konkurrenz von der WFO. Für die ging er dann beim neuen Dachverband der kommunalen Wählergruppen – den Freien Wählern – an den Start: im zweiten Anlauf, nachdem der erste als Übernahmeversuch der WFO vom FW-Landesverband vom Tisch gefegt worden war. Drieling steht in der FW-Liste auf Platz 11 – und das ist für die Partei etwas weit hinten.
Viel Stoff für das NWZ -Bürgerforum für den Wahlkreis Oldenburg-Mitte/Süd. Am Montag, 14. Januar, diskutieren die Kandidaten ab 19.30 Uhr im Kulturzentrum PFL an der Peterstraße. Moderiert wird das Forum von NWZ -Redaktionsleiter Michael Exner. Der Eintritt ist frei.
