Oldenburg - „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Axel Berger, der stellvertretende Vorsitzende der Werbegemeinschaft „Die Nadorster“, nach der Vorstellung des Konzepts für die niedrigschwelligen Wohnungslosen- und Suchthilfe. Es sieht vor, mittelfristig den Obdachlosentreff aus der Ehnernstraße in die Cloppenburger Straße 35 zu verlagern – statt dessen soll der Mädchentreff in die Ehnernstraße kommen. Ein zweiter Tagesaufenthalt soll in die Bloherfelder Straße 7 einziehen. Die Drogenberatung Rose12 soll von der Alexanderstraße 17 in die Straße Am Schießstand 34 wechseln.

„Für alle Beteiligten eine große Verbesserung“, findet Berger. Erst recht, weil die Stadt die Angebote deutlich ausbauen will – räumlich und personell. Unter anderem profitieren soll das Café Caro, das die Räume von Rose12 übernimmt. Auch die Mitglieder des Sozialausschusses hatten das Konzept gelobt. Durch die Verteilung der Angebote auf einen größeren Raum soll eine Konzentration wie sie im Bereich der Ehnernstraße zu beobachten war, verhindert werden.

Alte und neue Standorte: Einrichtungen der niederschwelligen Drogen- und Obdachlosenhilfe sollen an andere Plätze im Stadtgebiet wechseln, um eine Konzentration der Betroffenen zu vermeiden.

Die Aufregung im Bereich der Bloherfelder Straße 7 hält sich am Donnerstag in Grenzen. Das leerstehende Haus steht etwas versetzt in zweiter Reihe direkt an der Autobahnbrücke. Zum Garten des Nachbarhauses gibt es keinen Zaun, nur ein paar Büsche sorgen für ein wenig Sichtschutz – das soll sich aber ändern, verspricht die Stadt. Hier wohnen drei Parteien, eine WG, ein Pärchen und eine Studentin, die am Donnerstag als einzige zu Hause ist. „Ich habe kein Problem damit“, sagt sie zu den Plänen der Stadt. Das gilt auch für Martin Bartsch, Inhaber der gleichnamigen Stadtfleischerei, der ein paar Schritte weiter eine Filiale betreibt. Er sei zwar nicht unbedingt begeistert, „aber für diese Gruppe muss ja eine Lösung gefunden werden“. Er sei kein Freund des Sankt-Florians-Prinzips und niemand, der jetzt Bürger in Bewegung setze, damit der Obdachlosen-Treff woanders hinkomme. „Das wäre nicht menschlich.“

Auf einem guten Weg

Deutlicher Widerstand wird dagegen aus Eversten angekündigt. Die Anlieger der Straße „Am Schießstand“, der Graudenzer Straße und der Thornerstraße würden das Verwaltungsgericht anrufen, sobald der Umzug der Drogenberatung in die Straße Am Schießstand rechtsgültig beschlossen sei, kündigt ein Anwohner gegenüber der NWZ an. Schon jetzt werde man sich mit den Bedenken an den Rat der Stadt wenden. Die Anwohner sorgen sich vor allem um die Kinder in Grundschule und Kindergarten in der Nähe und fürchten um den Wert ihrer Häuser. Außerdem haben sie Zweifel, ob die Rose12 eine reine Drogenberatung bleiben werde und dass sie so ohne weiteres in ein reines Wohngebiet ziehen könne. In den sozialen Netzwerken wird ebenfalls seit Mittwoch heftig diskutiert.

Sozialdezernentin Dagmar Sachse rechnet bis zur Entscheidung im Rat noch mit einigem Gesprächsbedarf. Die Ängste und Sorgen der Anwohner würden ernst genommen, betonte sie am Mittwoch im Sozialausschuss.  Die Stadtverwaltung wird das Konzept und die möglichen Standorte in einer Bürgerinformationsveranstaltung am Mittwoch, 12. Dezember, von 18 bis 21 Uhr in der Halle der Kulturetage erläutern.

Die NWZ wird das Konzept in einer der nächsten Ausgaben ausführlich darstellen.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)