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NWZonline.de Nachrichten Politik

Fraktionsbruch Angekündigt: „Titanic“ lässt falsche Politbombe platzen

16.06.2018

Oldenburg /Frankfurt Die Nachricht ließ aufhorchen: „Bericht: Seehofer kündigt Fraktionsgemeinschaft der Union auf“, hieß es am Freitag gegen 12.30 Uhr in einer Pushnachricht der Smartphone-App des Senders n-tv. Unter anderem der „Focus“ und die „Bild“ zogen schnell nach. Und angesichts der High-Noon-Stimmung in Berlin zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) schien diese Ankündigung zunächst glaubwürdig, wenn auch sensationell zu sein. Immerhin könnte dieser in der Geschichte der Bundesrepublik einmalige Schritt das Ende der Großen Koalition einläuten.

Hektik in Redaktionen nach der Eilmeldung

In deutschen Redaktionen – und auch bei NWZonline – wurden daraufhin eifrig Eilmeldungen vorbereitet. Die politischen Kommentatoren feilten im Kopf schon an Formulierungen, Schlagzeilen für die Titelseite wurden entworfen. Und dann kam alles überraschend anders: Nur sieben Minuten nach der n-tv-Nachricht meldete der Sender „Korrektur: Unionsgemeinschaft wird nicht aufgelöst.“ Was war passiert?

Quelle der Nachricht war ein Twitter-Account mit dem Namen „hr Tagesgeschehen“, dessen Profilbild unter anderem das Logo des hessischen Rundfunks zeigt. Um 11.56 Uhr zitiert der Account den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) mit den Worten „...müssen wir uns jetzt darauf vorbereiten, schon bei der nächsten Bundestagswahl mit einer neuen Bayern-CDU anzutreten.“ Eine „Politbombe“ sei da in Hessen geplatzt, hieß es.

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@hrtgn ist ein verifizierter Twitter-Account

Die Echtheit des Accounts schien auf den ersten flüchtigen Blick gesichert zu sein. Denn er war mit einem weißen Häkchen auf himmelblauem Hintergrund versehen – und mit diesem werden von Twitter verifizierte Accounts von Personen oder Institutionen gekennzeichnet, die von öffentlichem Interesse sind. Und scrollt man sich durch die letzten Tweets des Accounts mit der Abkürzung @hrtgn, ist dort von Nachrichten zu lesen, wie sie durchaus vom Hessischen Rundfunk hätten veröffentlicht werden können: „Eintracht Frankfurt: Rasen zur Saison 2018/19 kommt aus Japan“ oder „Behördenzoff: Frankfurter Finanzbeamte vor WhatsApp-Verbot“.

Auffällig war jedoch, dass die Tweets nur ein Bild enthielten, aber keinen Link – für ein Online-Medium ein durchaus ungewöhnliches Verhalten. Außerdem endeten diese Lokalnachrichten bereits am Donnerstagabend. Davor sind mehr lustige Tweets zu lesen, und Nachrichten des Account des Satiremagazins „Titanic“ wurden häufig retweetet.

Moritz Hürtgen legt Medien rein

Die Lösung: Hinter @hrtgn steckt der Titanic-Redakteur Moritz Hürtgen, der seinen verifizierten Account –wohl am Donnerstagabend – kurzerhand in „hr Tagesgeschehen“ umbenannt hat. Die „Politbombe“, die da hochgegangen war, war lediglich eine Juxrakete. Die Agentur „Reuters“ habe aus dem Tweet eine Nachricht gemacht und sie verbreitet, heißt es in Medienberichten. Medien, die sich auf die Agentur verließen, sendeten eine falsche Eilmeldung in die Welt, die auch im Plenum des Bundestags selbst verbreitet wurde – von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD, Beatrix von Storch.

Beatrix von Storch geht Bild-Zeitung geht Agentur Reuters geht Titanic auf den Leim:

Hürtgen war schon einmal bundesweit in die Schlagzeilen geraten, als er der Bild-Zeitung im Februar 2018 einen angeblichen Mailverkehr zwischen Juso-Chef Kevin Kühnert und einem russischen Internet-Troll zugespielt hatte und sogar zum Interview bei der Bild erschienen war. Bekannt wurde der Satire-Coup damals als #miomiogate.

Christian Schwarz Redakteur / Online-Redaktion
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