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FRIEDENSPLATZ Später Triumph für alten Engel-Freund

MICHAEL EXNER

OLDENBURG - Damit da keine Missverständnisse aufkommen: „Der Engel muss her!“ Das hat Hans-Jörg Schramm vor 25 Jahren gesagt – und dabei bleibt der mittlerweile 73 Jahre alte (einst streitbare und heute eher altersmilde) Ex-Oberstleutnant und Ex-Politiker auch heute noch.

Der Christdemokrat saß 22 Jahre im Rat, vier Jahre im Landtag – wirklich bekannt geworden ist er aber als der Mann, der Ende Mai 1986 im Landtagswahlkampf für ein paar Tage wieder einen (Rauschgold-)Engel auf die seit 1943 kopflose Friedensplatzsäule brachte.

„Es ging mir immer um den Engel – in alter Form“, versichert Schramm, und das NWZ -Archiv bestätigt ihn. 1983 – lange vor der Wahl – startete der Politiker eine Spendenaktion. „Das Geld war da“, blickt der Pensionär zurück – ein Plan auch. Zwei historische Engel hatte er gefunden: in der Regensburger Walhalla und im DDR-Ort Neustrelitz. Die Bayern hätten einen Abdruck abgelehnt, die Sozialisten seien kooperativer gewesen. Ein Auricher Bildhauer sollte die Gipsform herstellen, die Oldenburger Firma Harms den Engel gießen.

Dass daraus nichts geworden ist, führt Schramm heute auf die von der Nachrüstungsdebatte und dem Regierungswechsel Kohl/Schmidt geprägte Polit-Atmosphäre zurück – und auf den massiven Widerstand der örtlichen FDP-Spitze.

Ähnliches erinnert übrigens der damalige Einzelhandelsverbandsgeschäftsführer (und Ex-Freidemokrat) Diedrich Thoms: sowohl die Verfügbarkeit des Geldes wie die harte Haltung der FDP.

Die Inspiration zum Wahlkampf-Gag holte sich Schramm bei einem Bummel über den Kölner Gänsemarkt, wo ein Künstler einen Styropor-Engel geschaffen hatte. Ein polnischer Bühnenbildner am Staatstheater bastelte den Engel – und Schramm hatte für 2000 Mark ausreichend Aufsehen.

Die Wahlwerbung war „ein gewollter Nebeneffekt“, meint er heute, „und dann noch auf fremdem Acker.“ Der Friedensplatz lag im Wahlkreis seines Parteifreundes Josef Dierkes, der sich mäßig begeistert zeigte.

Jahre später feierte der Engel Auferstehung – und Schramm einen späten Triumph. 1996 (unter FDP-Außenminister und Alt-Grünkohlkönig Klaus Kinkel) gab das Bundesaußenministerium einen Kalender heraus unter dem Motto: „Great Germans and their cities“ (Große Deutsche und ihre Städte). Die 24. Woche präsentiert die Oldenburger Frauenrechtlerin Helene Lange – und das linke der drei Bilder zeigt den Turm der Friedenskirche mit dem Schramm’schen Rauschgoldengel auf der gegenüberliegenden Säule. Warum, weiß nicht mal Schramm – aber es hat ihn gefreut.

Vielleicht kommt durch die aktuelle Diskussion (und einen neuen Engel) noch ein Triumph dazu. Schramm verfolgt das mit großem Vergnügen. Denn eins ist ja klar: „Der Engel muss her!“

Wie der Engel auf die Säule kam

Am 30. Mai 1986

montierte der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörg Schramm zwei Wochen vor der Landtagswahl einen Rauschgold-Engel auf die Säule, deren 1878 eingeweihter Bronzeengel 1943 eingeschmolzen worden war. Nach einer kurzen, aber heftigen Debatte wurde der Engel auf Weisung der Stadt am 4. Juni entfernt.
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