Oldenburg/Hannover - Trotz Corona-Krise sind im Vorjahr deutlich mehr Start-ups gegründet worden als in 2019. Insgesamt wurden 106 junge Unternehmen gezählt, wie aus dem am Donnerstag in Hannover vorgestellten ersten Start-up-Monitor für Niedersachsen hervorgeht. Im Jahr zuvor waren es 89 – ein Plus von 19 Prozent. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) bezeichnete die Start-ups, die sich durch innovative Geschäftsideen auszeichnen, als „entscheidende Brücke in die Zukunft nach Corona“.
Hier sind die Start-ups
Fast jedes dritte Start-up, insgesamt 43, kam aus der Region Hannover. Aber auch die Hochschulstandorte Osnabrück, Braunschweig (je 9) und Göttingen stechen positiv hervor. Oldenburg ist auf der Karte mit zwei Neugründungen vertreten; je ein Start-up gibt es in den Kreisen Vechta und Cloppenburg.. Die Studie basiert auf den Daten von insgesamt 161 niedersächsischen Start-ups mit ihren mehr als 1000 Mitarbeitern.
Was wird gegründet?
50 Prozent der niedersächsischen Gründerinnen und Gründer fühlen sich der ökologischen Nachhaltigkeit verpflichtet, ordnen sich also der „Green Economy“ zu. Damit liegt Niedersachsen über dem Bundesschnitt, der bei 43 Prozent liegt. Vor allem die Nähe zu Universitäten und eine stark technische Ausrichtung prägen das Umfeld („Ökosystem“). Jedoch kooperieren nur 64 Prozent der Start-ups mit etablierten Unternehmen.
Wer gründet?
Mit einem Frauenanteil von 19,7 Prozent liegt Niedersachsen deutlich über dem Bundesschnitt von 15,9 Prozent. Ein positives Beispiel ist Susan Wache, Gründerin des Startups „Feelspace“ aus Osnabrück. Die Firma hat einen Navigationsgürtel für sehbehinderte Menschen entwickelt. Dr. Stephanie Birkner, Inhaberin der bundesweit einzigen Juniorprofessur für Female Entrepreneurship (weibliches Unternehmertum“ an der Universität Oldenburg, fordert, die Vielfalt in der Gesellschaft auf die Wirtschaft zu übertragen. Der höhere Frauenanteil sei ein wichtiges Signal dafür. Neue Strukturen müssten entstehen. Die Politik dürfe nicht von oben entscheiden, sondern müsse an der Basis die Gründerinnen und Gründer fragen, was gebraucht werde.
wie wird investiert?
Rund 83 Prozent der befragten Start-ups finanzieren sich von Ersparnissen; knapp 50 Prozent erhalten Fördermittel. Zwei Drittel wünschen sich bessere Finanzierungsmöglichkeiten durch Wagniskapital oder „Business Angels“. Nur 14 Prozent der Unternehmen haben aktuell mehr als zehn Mitarbeiter. Jedoch planen 89 Prozent der Start-ups trotz Krise in diesem Jahr neues Personal einzustellen.
Was plant das Land?
Niedersachsen plant einen Wachstumsfonds im Volumen von 100 Millionen Euro. Die Hälfte soll von privaten Geldgebern kommen. „Wir wollen eine neue Gründerzeit ermöglichen.“ Althusmann rief Investoren auf, Start-ups mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Ohne diese Szene verliere das Land im internationalen Wettbewerb den Anschluss.
