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Soziales Café-Betrieb macht in Russland Schule


Partnerschaft trägt Früchte (von links): Russlands Außenminister Sergej Lawrow, Ayshat Gamzaeva, „Leben ohne Tränen“, Gerhard Wessels, Vorstand Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg, und der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) am Freitagabend  in Berlin. 



Peter Biel

Partnerschaft trägt Früchte (von links): Russlands Außenminister Sergej Lawrow, Ayshat Gamzaeva, „Leben ohne Tränen“, Gerhard Wessels, Vorstand Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg, und der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) am Freitagabend in Berlin.

Peter Biel

Oldenburg/Hatten/Berlin - Menschen mit Behinderung finden als gleichberechtigte Mitglieder Anerkennung in der Gesellschaft – diesem Gedanken verschreiben sich die Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg e.V. (GWO) unter anderem mit dem Projekt Café Kurswechsel. Seit 2010 werden in dem Café in den Räumen der Volkshochschule Oldenburg an der Karlstraße Menschen mit Behinderungen fachlich angeleitet auf das Berufsleben vorbereitet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen hier alle Arbeiten von Service, Zubereitung der Speisen, bis Thekendienst und Kasse selbstständig.

Das Projekt fand so viel Anklang bei der Zivilorganisation „Leben ohne Tränen“ aus Machatschkala (Dagestan/Russische Föderation), dass in Machatschkala in diesen Wochen das erste Café dieser Art in Russland überhaupt öffnet.

Minister gratuliert

Dieser Erfolg der deutsch-russischen Zusammenarbeit wurde am Freitag auf hoher Ebene gewürdigt. „Leben ohne Tränen“ und Gemeinnützige Werkstätten erhielten im Rahmen der Abschlusskonferenz des Deutsch-Russischen Jahres kommunaler und regionaler Partnerschaften in Berlin eine Auszeichnung. Zu den prominenten Teilnehmern gehörten die Außenminister von Deutschland und Russland, Heiko Maas (SPD) und Sergej Lawrow. Das Café-Projekt ist eines von zehn Initiativen bundesweit, die geehrt wurden; beworben hatten sich rund 500.

Die Auszeichnung nahmen GWO-Vorstand Gerhard Wessels, der GWO-Aufsichtsratsvorsitzende und Vorsitzende der Gesellschaft Deutschland-Russland / Dagestan in der Region Oldenburg, Helmut Hinrichs, sowie Ertan Aslan, Beschäftigter des Café Kurswechsel, und Daniel Lüllmann, Betriebsleiter Gastronomie GWO, entgegen.

Seit 2012 besteht ein Austausch über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und der Arbeit für diesen Personenkreis zwischen den Gemeinnützigen Werkstätten und „Leben ohne Tränen“ in Machatschkala, Dagestan. Ziel ist es, theoretische und praktische Erfahrungen in der Behindertenhilfe zu teilen. Entstanden ist der Kontakt durch die Initiative der Gesellschaft Deutschland-Russland/Dagestan, Mitglied im Bundesverband Deutscher Ost-West Gesellschaften.

Als praktische Umsetzung des lnklusionsgedankens stieß das Café Kurswechsel der gemeinnützigen Gesellschaft Teilhabe Arbeit und Bildung – eine Tochtergesellschaft der GWO – auf besonderes Interesse. Das Café bietet unter arbeitsmarktnahen Bedingungen Qualifizierungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen an.

Symbolsystem hilft

In Anlehnung an das Konzept des Café Kurswechsel soll noch im September 2018 in Machatschkala ein Café mit gleicher Zielsetzung öffnen. Es werde das erste dieser Art in Russland sein, betonte die Vorsitzende des Vereins, Ayshat Gamzaeva.

Erreicht wird die Förderung der Menschen mit Behinderung im Café Kurswechsel durch Einsatz eines Symbolsystems, das parallel zur Schrift eingesetzt wird. Dies bietet Mitarbeitern mit Behinderung die Chance, eine Bestellung aufzunehmen, auch wenn sie nicht lesen und schreiben können. Auch Kunden, die Schwierigkeiten mit dem geschriebenen Wort haben, dient es als Hilfe.

Sowohl Deutschland (2009) als auch Russland (2012) haben die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Durch die Ratifizierung wurden zusätzliche Garantien für Sicherheit, Schutz und Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Rechte von Behinderten manifestiert. „Trotz großer Bemühungen, diese umzusetzen, haben Menschen mit Behinderungen durch vielfältige Barrieren immer noch einen sehr eingeschränkten Zugang zu fast allen Lebensbereichen“, berichtet GWO-Vorstand Wessels.

Der langjährige Austausch zwischen GWO und dem Verein „Leben ohne Tränen“ habe ein erstes, praktisch greifbares, Ergebnis geführt, freut sich Wessels.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)
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