OLDENBURG - Träumen auf Deutsch: Für Dr. Ahmad Hosseinizadeh ist das schon lange kein Problem mehr. Seit 26 Jahren lebt der gebürtige Iraner in Deutschland, 23 davon in Oldenburg. Sein Oldenburg. Die Stadt ist meine Wahlheimat, sagt er. Jene Stadt, für die er sich 1989 bei der Wahl seines Studienplatzes entschieden hat gegen Angebote aus Berlin, Mainz und anderen Städten. Ich hatte nach einer ruhigen und grünen Stadt gesucht, begründet der 51-Jährige seine Entscheidung.
Er überlegt: Der April ist ein besonderer Monat. Nun hat Ahmad Hosseinizadeh mehr als die Hälfte seines Lebens in Deutschland verbracht.
1986 immigrierte der damalige Lektor und Publizist aus dem Iran, um in Deutschland ein neues Leben anzufangen. Über die Gründe seiner Immigration möchte er nicht sprechen.
Selbstinitiative nötig
Seine ersten Stationen in Deutschland waren Berlin und Augsburg, wo er zunächst die deutsche Sprache erlernte. Durch sehr viel Selbstinitiative, wie er sagt. Von 1987 bis 1988 bereitete er sich am Studienkolleg in Mainz auf sein Studium der Sozialwissenschaften vor, das er im Oktober 1989 in Oldenburg begann. 1994 machte er seinen Abschluss, promovierte 2003 im Bereich der interkulturellen Pädagogik. Von 1995 bis 1997 war er Mitarbeiter des akademischen Auslandsamts. Für die Carl-von-Ossietzky-Universität arbeitet er seit 1996 als freiberuflicher Dozent. Zwischenzeitig zog es ihn für Forschungsaufenthalte auch in die USA.
Wie viele seiner Oldenburger Mitbürger ist Ahmad Hosseinizadeh in der Stadt oft auf zwei Rädern unterwegs. Ein Novum für den Akademiker: Vorher bin ich nicht so oft Fahrrad gefahren. Ich habe auch noch nie so viele Räder wie hier in Oldenburg gesehen, bekennt er. In seiner Freizeit erfreut sich der Geisteswissenschaftler an den Landschaften im Oldenburger Land. Sie sind flach, übersichtlich und grün, schwärmt er. Besonders gefällt ihm die Strecke zwischen Oldenburg und Bad Zwischenahn.
Demokratische Werte
Ansonsten sind es aber vor allem die demokratischen Werte, die den intelligenten Dozenten an Deutschland beeindrucken. Zwar sei er in den vergangenen 26 Jahren auch Vorurteilen gegenüber Fremden begegnet. Dennoch lobt er die deutsche Zivilgesellschaft: Sie spielt hier eine wichtige Rolle. In Deutschland habe ich gelernt, dass sich Bürger engagieren, beschreibt Hosseinizadeh seine Eindrücke. Vor seiner Immigration habe er das nur abstrakt aus der deutschen Literatur gekannt.
Auch die Möglichkeit, an politischen Prozessen teilzunehmen, schätze er. Dazu der Umgang mit der deutschen Vergangenheit, die kritische Reflexion in den Medien, führt Hosseinizadeh fort. Das seien Errungenschaften, die die Deutschen bisweilen nicht richtig zu schätzen wüssten.
Gibt es dennoch etwas, dass er am Iran vermisst? Die menschliche Wärme in der Familie, sagt Ahmad Hosseinizadeh. Er wirkt nachdenklich. Teile seiner Familie leben im Iran, andere in England oder den USA. In Deutschland hat er keine Verwandten, auch eine eigene Familie hat Ahmad Hosseinizadeh bislang nicht gegründet. Dennoch sei er in Deutschland zu Hause. Ich verfolge zwar die politischen Entwicklungen im Iran, sagt er, habe aber sonst nur noch wenig Bezug zu dem Land.
Ehrenamtliche Arbeit
Neben seiner akademischen Tätigkeit und mehreren wissenschaftlichen Publikationen engagierte sich Hosseinizadeh oft auch ehrenamtlich. Unter anderem betreute er für Amnestie International Flüchtlinge. Seit 2008 ist er Sprecher des Oldenburger Forums für Migration und Integration. Erst im Februar wählte ihn dieses Forum als beratendes Mitglied in den Integrationsausschuss.
Viel Arbeit für Ahmad Hosseinizadeh. Seinen Platz in Oldenburg hat er längst gefunden.
