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NWZonline.de Nachrichten Politik

Der Pitbull des Präsidenten

24.04.2018

Oldenburg /New York Im Falle eines Attentats auf US-Präsident Donald Trump würde sich Michael Cohen als menschliches Schutzschild dazwischen werfen, um die Kugel abzufangen. Zumindest wenn man einem Interview mit Cohen glauben darf, dass er im September 2017 dem US-Magazin „Vanity Fair“ gab. „Ich werde alles tun, um Trump zu beschützen“, gab er dort zu Protokoll.

Cohen ist jedoch weder ausgebildeter Personenschützer, noch bei der US-Behörde Secret Service angestellt, die sich um die Sicherheit des Präsidenten kümmert. Cohen ist Trumps Anwalt. Und zwar einer mit ganz speziellen Aufgaben.

Es gibt viele, die den 51-jährigen New Yorker als Kampfhund bezeichnen. Als einen, den Trump von der Leine lässt, wenn es Zeit fürs Grobe ist. Cohens Expertise ist nicht der Gerichtssaal, es ist die brachiale Kunst der Einschüchterung. Er sei, in Mafia-Begriffen gesprochen, Trumps „Capo“, der die Probleme seines Herren und Meisters möglichst still und heimlich löst.

Seit 2006 arbeitet Cohen als Rechtsanwalt offiziell für die Trump Organization. In dieser Funktion versuchte er immer wieder, kritische Trump-Berichte zu verhindern. So bedrohte er unter anderen 2016 einen Reporter des Online-Portals „The Daily Beast“ mit den Worten „Ich warne dich, sei verdammt vorsichtig, weil was ich dir antun werde, ist verdammt hässlich“. In dem Artikel ging es um Trumps Ex-Frau Ivana, die während eines schmutzigen Scheidungskrieges den Milliardär der Vergewaltigung beschuldigt hatte.

Cohen ist ein glühender Trump-Verehrer und hat sich massiv im Wahlkampf des Unternehmers engagiert. Legendär ist sein CNN-Interview in 2016, in dem er schlechte Umfragewerte im Rennen um die US-Präsidentschaft mehrfach mit „Sagt wer?“ kommentierte. Immerhin: Er behielt Recht, die Meinungsforscher lagen falsch. Trump wurde entgegen aller Vorhersagen ins Weiße Haus gewählt.

VIDEO: „Says who?“ – Michael Cohen im CNN-Interview mit Brianna Keilar

2016 zahlte Cohen „Schweigegeld“ an die Pornodarstellerin Stormy Daniels, die eine Affäre mit dem US-Präsidenten gehabt haben soll. Und genau dieser Fall wird derzeit nicht nur Cohen, sondern auch Trump zum Verhängnis.

Am 10. April 2018 durchsuchte die US-Bundesbehörde FBI nicht nur Cohens Büro, Haus und Hotelzimmer, sondern beschlagnahmte auch Rechner, Tonmitschnitte und Mobiltelefone. Gegen den Anwalt wird im Zusammenhang mit der Schweigegeld-Zahlung offiziell wegen Betrugs und Verstößen gegen das Wahlkampffinanzierungsgesetz ermittelt.

Trump: „Es ist eine totale Hexenjagd!!!“

Die Cohen-Razzia sorgte für ein leichtes Erdbeben in der politischen Landschaft Washingtons. Das Epizentrum saß im Weißen Haus und twitterte erbost in Großbuchstaben. „Eine totale Hexenjagd!!!“ schrie US-Präsident Trump über den Kurznachrichtendienst seine Wut in die Welt hinaus. Die anwaltliche Schweigepflicht sei damit „tot“.

Die spontane Twitter-Eruption kann als deutliches Indiz dafür gewertet werden, dass die FBI-Ermittlungen Robert Muellers rund um Trump und dessen Verstrickungen mit Russland dem Präsidenten nun gefährlich nahe kommen. Denn auch mit diesem Thema soll sich Cohen befasst haben.

Cohen kennt die Leichen in Trumps Keller – denn er hat wohl die meisten dort verbuddelt. Und genau darin besteht die Gefahr für den US-Milliardär im Weißen Haus. Sollte Cohen in Anbetracht eines längeren Gefängnisaufenthalts mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten, dann könnten ebendiese Leichen ans Licht kommen.

Trump twitterte dementsprechend pro-aktiv. In mehreren aufeinanderfolgenden Kurznachrichten bezeichnete der US-Präsident seinen Anwalt als „Geschäftsmann, der auf seine eigene Rechnung arbeite“. Damit distanzierte sich Trump schon einmal sicherheitshalber von allem, was Cohen möglicherweise auf dem Kerbholz hat. Weiterhin führte der Präsident aus, dass viele Menschen „lügen und sich Geschichen ausdenken“, wenn ihnen Strafverfolgungsbehörden eine Gehe-nicht-ins-Gefängnis-Karte anbieten würden. „Ich sehe allerdings nicht, dass Michael (Cohen) trotz Hexenjagd und unehrlicher Medien so etwas tut“, sagt Trump auf Twitter.

Der Tweet-Sturm des US-Präsidenten Trump zu einer möglichen Aussage Cohens

Trump spekuliert darauf, dass der treue „Kampfhund“ auch weiterhin treu bleibt. Doch Cohen ist Familienvater, besitzt Anteile am lukrativen New Yorker Taxi-Geschäft und hat ein stattliches Vermögen inklusive teurer Immobilien aus dem Trump-Portfolio angehäuft. Der Anwalt hat also viel zu verlieren. Insbesondere da nicht nur immense Prozesskosten auf Cohen zukommen, sondern auch eine mögliche Haftstrafe im Raum steht.

Cohen mag für Trump noch immer die Kugel einfangen. Ob er für den US-Präsidenten jedoch ins Gefängnis geht, steht auf einem anderen Blatt. Denn auch wenn Cohen mittlerweile Trump-Fan und Republikaner ist, so unterstützte er 2008 als eingetragenes Mitglied der Demokraten noch die Präsidentschaft von Barack Obama. Der Anwalt ist Opportunist. Genau wie Trump. Und da liegt der Kampfhund begraben.

Denis Krick Redaktionsleitung / Online-Redaktion
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