Oldenburg - Die meisten deutschen Passagiere schauen zuerst auf den Preis, bevor sie einen Flug buchen. Was verständlich und normal ist. Aber viele entscheiden sich auch bewusst für eine bestimmte Fluggesellschaft, was sicherlich auch mit der gefühlten Sicherheit zu tun hat. Aber nicht nur. Unterbewusst fühlt man sich bei der einen Airline besser aufgehoben als bei einer anderen. Emotionen spielen also auch für so manchen Passagier eine wichtige Rolle. Dabei geht es unter anderem um Pünktlichkeit, Aufmerksamkeit, Service – oder auch darum ein Schnäppchen gemacht zu haben.
Nehmen wir Alitalia: Da geht die Emotionalität noch einen Schritt weiter. Mithilfe von Staats-Alimenten wird diese Fluglinie seit Jahren am Leben gehalten. Sie ist ein Stück nationalen Selbstverständnisses und Stolzes. Immerhin fliegt auch der Papst mit Alitalia, denn eine eigene Flugzeug-Flotte unterhält der Heilige Stuhl nicht. Die Italiener und der Vatikan werden sich umstellen müssen. Die Fluggesellschaft ist ein Übernahme-Kandidat. Wie so viele vor ihr.
In Deutschland hatte Air Berlin eine große Fan-Gemeinde. Bot sie doch bis zu ihrer endgültigen Insolvenz im August 2017 dem Platzhirsch Lufthansa kräftig die Stirn. Air Berlin war in den Augen vieler Passagiere nicht so „abgehoben“ wie der Kranich – und hielt die Preise wettbewerbsfähig. Aus und vorbei.
Im Prinzip war nach der Air-Berlin-Pleite der Wettbewerb auf dem deutschen Flugmarkt ausgesetzt. Das war auch politisch so gewollt, denn vorschnell riefen seitens der damaligen Bundesregierung Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) mit der Lufthansa einen nationalen Champion nach der Übernahme von Air Berlin aus. Folge dieser Großmannssucht: Die Preise für Flug-Tickets der Lufthansa schossen nach oben. „Willkommen an Bord. Wir wollen nur ihr Bestes: Ihr Geld.“ Es wurde richtig teuer.
Es geht bei Übernahmen vor allem um die Start- und Landesrechte, die nicht verfallen dürfen: um von A nach B fliegen zu dürfen. Und die Lufthansa profitierte aufs Schönste von der Pleite (Branchenjargon: Marktaustritt) Air Berlins. Und mit ihr die Tochter-Gesellschaft Eurowings. Eurowings wird als Billig-Fluglinie bezeichnet. Na ja. Wenn die Marke Lufthansa aus kartellrechtlichen Gründen nicht den ganzen Kuchen von Air Berlin serviert bekommen durfte, dann sollte zumindest Eurowings auch ein großes Stück erhalten. Der Lufthansa-Konzern ließ es sich schmecken.
Und das Ziel von Eurowings, den dritten Platz in Europa hinter Ryanair und Easyjet zu verlassen, lässt sich mit der starken Mutter Lufthansa im Rücken schneller erreichen. Und zum Lufthansa-Konzern gehören ja noch unter anderen die Swiss und Austria.
Es braucht also am deutschen Luftfahrt-Himmel dringend mehr Wettbewerb. Im Interesse der Verbraucher bleibt nur die Hoffnung, dass Konkurrenten auf dem deutschen Markt wie Ryanair, Easyjet, Condor und Tuifly die Luft nicht zu dünn wird. Denn bei einem Quasi-Monopol der Lufthansa drohen uns endgültig Apotheken-Preise fürs Fliegen.
