Oldenburg - Niedersachsens neuer Kultusminister Grant Hendrik Tonne macht sich auf den Weg, seinem Ruf als Macher und Organisator gerecht zu werden. Der frühere Parlamentarische Geschäftsführer, der die SPD-Landtagsfraktion erfolgreich managte, bringt auch das Kultusministerium, dessen Ruf unter Amtsvorgängerin Frauke Heiligenstadt erheblichen Schaden erlitten hat, wieder in die Spur. 2000 neue Lehrer zum neuen Schuljahr sind ein Wort. Eine gute Nachricht für die künftige Unterrichtsversorgung. Natürlich hilft Tonne dabei, dass die Kassen von Finanzminister Reinhold Hilbers gut gefüllt sind, um dieses Personal auch finanzieren zu können.

Mehr Lehrkräfte sind aber nur die eine Seite. Tonne packt endlich das leidige Thema Abordnung von Gymnasiallehrern an Grundschulen an. In ihrer Verzweiflung hatte Heiligenstadt zu diesem äußerst unpopulären Mittel gegriffen, um die riesigen Lücken an den Grundschulen, für die eine Unterrichtsgarantie gilt, zu stopfen. Tonne stoppt diese Anordnungskarawanen durch die gezielte Anwerbung von über 800 Grundschullehrern. Damit endet der Skandal, dass manche Gymnasiallehrer an den zugewiesenen Grundschulen zur Pausenaufsicht eingeteilt wurden, aber am Heimat-Gymnasium der Unterricht ausfiel.

Zu den ganz dicken Bretter, die der Kultusminister aber noch zu bohren hat, gehört das Thema Inklusion. Dass sich die Große Koalition entschlossen hat, eine Denkpause für die nächsten Jahre einzulegen, weil mit den derzeitigen Bordmitteln Inklusion an allen Schulen gar nicht leistbar ist, kann nur ein erster Schritt sein. Tonne muss eine klare Perspektive erarbeiten, wie Inklusion – wirklich an allen Schulen? – tatsächlich erreichbar ist, ohne dass die gute Absicht in faktischem Chaos endet. Mit dem bisherigen Personalansatz ist Inklusion flächendeckend einfach nicht umzusetzen.

An diesem Punkt wird sich zeigen, ob Tonne auch diese Hypothek seiner Amtsvorgängerin zu schultern vermag und endgültig zu einem der Stärksten in der Ministerriege der Landesregierung aufsteigt und damit alle Türen öffnet für die künftige Karriere des noch jungen Politikers.