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NWZonline.de Nachrichten Politik

Das Meppener PR-Desaster der Bundeswehr

20.09.2018

Oldenburg Klar, Unfälle können passieren. Der Moorbrand bei Meppen entwickelt sich jedoch immer mehr zu einem PR-Desaster für die Bundeswehr. Und daran ist die Truppe selbst schuld.

Moor als natürlicher Brennstoff

Moor brennt nach Auskunft von Andreas Bauerochse von der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde so tief, wie es entwässert ist. Durch den trockenen Sommer sind die Moore in diesem Jahr tiefer als sonst ausgetrocknet.

Je tiefer ein Moor brennt, desto schlechter ist es nach Auskunft von Bauerochse zu löschen. Seiner Einschätzung nach würde selbst ein kräftiger Regen kaum ausreichen, um den Brand in Meppen einzudämmen.

Hochmoortorf wie in Meppen ist in getrockneter Form vom Brennwert her mit Braunkohle vergleichbar und wurde hierzulande bis ins 20. Jahrhundert als Brennstoff verwendet.

In Finnland, Irland und Schweden werden heute noch Kraftwerke mit Torf betrieben.

Die Bekämpfung eines Moorbrandes ist besonders schwierig, weil sich der Brand von oben unsichtbar unter der Oberfläche ausdehnt.

Sicherstes Mittel, um einen Moorbrand einzudämmen, wäre das Ausheben einen Grabens in größerer Entfernung.

Einerseits geht es um den Vorfall selbst: In sozialen Medien machen viele Bürger im Nordwesten ihrem Ärger Luft: „Warum dürfen wir wegen der wochenlangen Trockenheit kein Lagerfeuer machen, aber Soldaten Raketen auf gut brennbarem Untergrund testen?“ Torf werde ja nicht umsonst als Brennstoff genutzt. „Waren die Sicherheitsstandards wirklich ausreichend, wenn eine Löschraupe fehlte?“

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Dass ein Sprecher dann auch noch äußert, „so etwas“ könne bei der Hitze schon mal passieren, sorgt – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade für mehr Verständnis in der Bevölkerung. Dass es ja nicht der erste Brand auf dem Übungsgelände sei, stärkt das Vertrauen ebenfalls nicht wirklich. Hintergrund: Im Jahr 2010 verkohlte ebenfalls ein Teil des Moors, erst nach sechs Wochen war der Brand gelöscht.

Kleinreden statt Aufklärung: Offenbar wurde von den Verantwortlichen die Außenwirkung im aktuellen Fall vollkommen falsch eingeschätzt – das spiegelt sich nun in den zahllosen Kommentaren bei Facebook und Co. wider.

Doch nicht nur an der Brandursache selbst entzündet sich Wut, auch die Kommunikation der Bundeswehr ist mangelhaft. Viele Anwohner und sogar die Feuerwehr Bremen fühlen sich nicht ausreichend informiert. „Wir müssen da hinterherrennen, bekommen keine Prognosen“, erklärte ein Feuerwehr-Sprecher am Dienstagabend, nachdem die Rauchwolke auch die Hansestadt erreichte. Warum die Bundeswehr kein klares Statement veröffentlichte und die Menschen in der Region warnte, bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen.

Lesen Sie auch: Moorbrand kann noch Wochen dauern

In Zeiten, in denen die Truppe von Ministerin Ursula von der Leyen hauptsächlich mit negativen Schlagzeilen bedacht wird (umstrittene Werbekampagne, Zustand der Truppe, „Raketen-Unfall auf Fregatte „Sachsen““, ...), ist der Moorbrand in Meppen neuer Zunder für die Kritiker. „Anstatt das Land zu verteidigen, wie es ihre Aufgabe wäre, wird die Bundeswehr selbst zu Bedrohung“, schreibt ein Nutzer bei Facebook. Und das ist noch einer der harmloseren Kommentare.

Immerhin: Am Mittwoch kündigte die Bundeswehr dann doch an, man wolle den Fall „umfassend“ untersuchen. Wohlgemerkt: Auf dem Testgelände brennt es bereits seit zwei Wochen, und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Die Verantwortlichen müssen nun dringend ihren Worten Taten folgen lassen, um das Fiasko einzudämmen – so gut es noch geht. Denn neuer Ärger droht bereits: Der Grünen-Abgeordnete Christian Meyer stellte nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen die Verantwortlichen bei der Bundeswehr wegen fahrlässiger Brandstiftung. Das könnte auch für Ministerin von der Leyen selbst noch ungemütlich werden.

Lesen Sie mehr zum Moorbrand in Meppen unter www.NWZonline.de/moorbrand-meppen

Christian Ahlers
Redakteur
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2159

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