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Pandemie Krisenstimmung hinter Kulissen

Lea Bernsmann

Oldenburg - Minus und Minus ergibt leider nur in der Mathematik ein Plus. Die Realität hat andere Regeln. Keine fairen.

Monatelange Corona-Auflagen sind dabei, Kulturschaffende – Institutionen, ebenso wie Selbstständige – zu ruinieren. Damit es auch nach der Krise noch Theater, Konzerte und Lesungen gibt, will die Stadt helfen. Wie genau, wollten betroffene Vertreter verschiedener Einrichtungen und Fraktionssprecher im Kulturausschuss wissen. Zahlen und Daten können weder Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, noch Christiane Cordes liefern. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einem Konzept“, sagte die Leiterin des Amts für Kultur, Museen und Sport.

300 000 Euro möglich

„Strukturbrücke“ soll das Hilfspaket für kulturelle Einrichtungen heißen. Bei der letzten Vorstellung des Nachtragshaushaltes wurden 300 000 Euro als Stütze genannt. Genaueres werde man nach der Sommerpause bekanntgeben, berichtete Christiane Cordes weiter. Von der vorerst letzten Sitzung bis September warten zu müssen, fällt vielen im Saal schwer. „Aber“, begründet die Verwaltung, „wir können erst Zahlen nennen, wenn wir wissen, wie viel da ist.“

Die Entscheidung, wer welche Hilfe bekommt, in einer Zeit, in der es alle nötig haben, fällt der Rat. Untätig sitzen die Mitarbeitenden des Kulturbüros indes aber auch nicht herum. „Wir schaffen alternative Formate, mit denen wir gerade Soloselbstständigen zu helfen versuchen über den Sommer zu kommen – als schlanke und schnelle Hilfe“, sagt Christiane Cordes. Eingebunden war sie auch in die Entscheidung, die Internationalen Keramiktage ausfallen zu lassen. Nicht stattfinden wird nach längerer Überlegung auch die Nacht der Museen. Eine Online-Alternative soll angeboten werden.

Nicht ganz leer ausgehen müssen Festival-Fans, die sich auf einen „veränderten Kultursommer“ freuen können. Näheres zur abgespeckten Variante geben die Veranstalter von der Kulturetage demnächst bekannt. Dort sind die Mitarbeiter übrigens, wie in durchweg allen anderen Einrichtungen, in Kurzarbeit.

Diese zwar nicht angenehme, aber existenzensichernde Möglichkeit haben Freischaffende nicht, wie die Vorsitzende des Künstlerverbandes, Martina van de Gey, anmerkt. Soloselbstständige Kreative fallen bei der kommunalen Förderung ebenso durchs Netz wie freie Honorarkräfte – etwa Kunstvermittler in Museen. „All die vielen Einkommensverluste können wir nicht auffangen“, antwortete der OB und verweist auf Gelder von örtlichen Stiftungen und Verbänden, die mit begrenzten Einmalbeträgen auch bereits Kulturschaffenden unter die Arme greifen. Im Notfall bliebe der „klassische Unterstützungsweg“ – zum Arbeitsamt. Einige Institutionen, wie das Staatstheater, zahlt Künstlern anteilig Ausfallhonorare. Kleineren Einrichtungen ist das nicht immer möglich.

Zuschüsse fließen

Gleichgültig ist die Stadtkultur keinem hier. Zuschüsse für wegen der Pandemie nicht abgeschlossene Projekte werden trotzdem voll gezahlt, sagt der OB. „Wir versuchen so kulant wie möglich zu sein“, verspricht er. „Geld was für den Kulturbereich vorgesehen war und nicht ausgegeben wurde, bleibt im Kulturbereich.“ Man müsse aber auch realistisch bleiben, es gehe nicht um wochenlange Ausfälle, sondern um Monate.

Einwürfe von Fraktionssprechern, man solle auch Bundesmittel nutzen, will die Verwaltung „gerne prüfen“. „Das Jahr ist noch nicht zu Ende – und wenn uns gute Gedanken kommen, hindert uns keiner sie umzusetzen“, sagt Jürgen Krogmann.

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