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NWZonline.de Nachrichten Politik

Pro Und Contra: Separatismus – ein Segen für Europa?

06.11.2017

Oldenburg In Spanien spitzt sich die Katalonien-Krise immer weiter zu. Die wirtschaftsstarke Region im Nordosten des Landes strebt nach Unabhängigkeit. Und die Katalanen sind bei Weitem nicht die Einzigen innerhalb der Europäischen Union, die mehr Autonomie wollen. Die NWZ-Politikredakteure Alexander Will und Stefanie Dosch beurteilen das sehr unterschiedlich.

Alexander Will: Klein ist schön

Alexander Will

Klein ist schön – small is beautiful! Das gilt auch für Staaten. Kleine politische Gebilde ermöglichen den Regierten in der Regel eine viel intensivere Kontrolle der Regierenden. Wenn der Abgeordnete jeden Morgen am Vorgarten seiner Wähler vorbei muss, wird er die Bodenhaftung nicht verlieren. Funktionseliten werden massiv eingehegt. Deshalb: Mehr Regionalismus – und, ja – mehr Separatismus wagen

Es ist absurd, wie derartige Bestrebungen heute in Europa als reaktionäre Kleinstaaterei diffamiert werden. Darin offenbart sich ein europäisch verbrämter Nationalismus, der ausgerechnet die oft genug durch Gewalt zusammengezwungen Alt-Nationalstaaten unter Naturschutz stellen will. Es gibt aber keinen vernünftigen Grund, warum Spanien, Großbritannien oder Italien Einheitsstaaten bleiben sollten, wenn sie es nicht hinbekommen, den Regionen und Völkern durch Dezentralisierung und Föderalisierung entgegenzukommen.

Nun mag man mit existierenden Verfassungen argumentieren. Die aber sind menschengemacht und müssen manchmal geändert werden. In Spanien etwa ist genau die Verfassung von 1978 das Problem. Damals verhinderten frankistische Alt-Eliten mit Gewaltdrohungen eine Föderalisierung des Landes. Jahrzehntelang wurden dann die sich daraus ergebenden Probleme ignoriert.

Wenn aber Staaten auf diese Weise versagen – warum sollten dann Völker und Regionen nicht das Recht haben, eigene Wege zu gehen? Der konstruierte Über-(National-)Staat als Völkergefängnis hat längst ausgedient. Deswegen: Viel Glück Schottland! Viel Glück Korsika und Südtirol! Und viel Glück Katalonien!

Stefanie Dosch: Groß ist besser

Stefanie Dosch

Schöne, heile Kleinstaaten-Welt. Wenn das Leben mal wieder zu kompliziert wird, man die Verflechtungen einer globalisierten Welt nicht mehr in Sekundenschnelle schwarz-weiß auf einen Bierdeckel skizieren kann, dann wächst die Sehnsucht nach dem Kleinen, dem Alten, dem Bekannten. Nach dem, wo scheinbar schon ein einfacher Jägerzaun reicht, um alles Böse auszugrenzen.

Doch so einfach ist es leider nicht. Und sich dieser Tatsache zu verweigern, macht es nur noch schwieriger. Wir leben in einer globalisierten Welt – und die meiste Zeit profitieren wir auch davon. Reife Avocados zu jeder Jahreszeit im Supermarkt und amerikanische Serienhighlights jederzeit abrufbar auf Netflix und Co., um zwei ganz banale Beispiele zu nennen.

Wenn sich Katalonien von Spanien trennt oder Bayern von Deutschland, dann verlieren jeweils beide Seiten. Ganz klar: Der – nennen wir ihn mal – Mutterstaat verliert seine Musterregion samt deren Einwohner, deren Ressourcen und natürlich deren Steuergeld. Aber auch das – nennen wir es mal – abtrünnige Kind verliert, unter anderem Geld. Weil es nämlich teuer ist, einen Staatsapparat aufzubauen und zu erhalten. Das Kind verliert aber auch an Einfluss. Eine wichtige Region eines großen Landes hat viel mehr Möglichkeiten, um etwa auf die Politik der EU einzuwirken. Ein weiteres Mini-Land wird hingegen untergehen in der Masse – falls es überhaupt jemals Mitglied würde.

Eine zufriedenstellende Antwort an die europäischen Unabhängigkeitsbewegungen kann daher nur sein, ihnen mehr Gehör und Respekt zu verschaffen – innerhalb ihrer jeweiligen Länder.

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Mitglied der Chefredaktion (Überregionales)
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2092
Stefanie Dosch Newsdeskmanagerin / Politikredaktion
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