OLDENBURG - „Keine Straße durch die Bornhorster Wiesen“: Der Plan des Straßenbauamtes Oldenburg-Ost, die Nordtangente an die Landesstraße 65 anzuschließen, polarisierte die Stadt. Zum Ende meiner Ausbildung berichtete ich im März 1984 von einer Bürgerversammlung aus dem „Müggenkrug“ an der Elsflether Straße.
Der Saal war mit 250 Menschen voll besetzt, die Atmosphäre hitzig, die Aussage des damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Josef Dierkes, richtungsweisend. Die CDU akzeptierte die Pläne des Straßenbauamtes Oldenburg-Ost, die Trasse mitten durch die Bornhorster Wiesen zu legen. Die SPD machte sich auf die Suche nach einer weiter westlich gelegenen Variante.
Der Gutachter, Professor Dr. Wolfgang Eber von der Uni Oldenburg, sprach in der Versammlung von einem „Massenmord“ an Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind.
Starke Worte, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Auf tausenden Autos taten Oldenburger mit einem Aufkleber ihre Meinung kund: „Keine Straße durch die Bornhorster Wiesen“, in der Mitte abgebildet ein Storch. „Borni“ als personifiziertes Symbol des Widerstands, dafür lohnte es sich zu kämpfen. 25 000 Unterschriften wurden gesammelt. Kaum ein Wochenende verstrich ohne Info-Stände in der Stadt. Ein Bürgerantrag zwang den bis dato unentschlossenen Stadtrat schließlich, sich im Juni 1984 erneut mit dem Thema zu beschäftigen – gelebte Demokratie. Aus Sicht der Kritiker ein Erfolg: Der Stadtrat forderte das Land auf, den Bau zu unterlassen.
Faszinierend war die Entschlossenheit, mit der die Gegner damals auftraten. Vom Kind bis zum Greis, vom Arbeiter bis zum Hochschulprofessor, die Oldenburger zeigten ihre Stärke. Wenn’s drauf ankommt, gemeinsam ihre Ziele durchzusetzen. Wie auch in den 60er Jahren, als Teile des Schlossgartens einer breiten Einfallstraße geopfert werden sollten. Heute lassen die wieder aufkeimenden Anschlusspläne der inzwischen umbenannten Landesstraße 865 die Bürger kalt. Allenfalls ein paar Anlieger streiten sich noch um den Verlauf der Trasse.
Und die Politik möchte das heiße Eisen offensichtlich nicht anpacken – es wird wohl alles so bleiben, wie es ist. Auch eine Form der Auseinandersetzung . . .
