OLDENBURG/RASTEDE - Sie hatten dieselbe Heimat, doch ihr Leben entwickelte sich völlig unterschiedlich. Holzklotzwerfer Nikolai Hecht (32) und sein Opfer Olga K. (33) stammen beide aus Kasachstan.
Vor fast 16 Jahren kam Nikolai Hecht mit seinen Eltern nach Deutschland, doch so richtig angekommen ist er in seiner neuen Heimat nie. Das meinte zumindest Psychiater Konstantin Karyofilis in seinem Gerichtsgutachten.
In Kasachstan wuchs Hecht laut Gutachter unauffällig und mit einem intakten Freundeskreis auf. Er interessierte sich für Fußball und die Taubenzucht. In der Schule sei er zwar nicht durch gute Noten aufgefallen, aber er war ein talentierter Tuba-Spieler. Mit 14 Jahren beendete er die Schule ohne Abschluss. Zwei Jahre später siedelte er mit seinen Eltern (heute 57 und 53 Jahre alt) und seinen beiden Schwestern (33 und 37 Jahre alt) nach Deutschland über.
Vom Lager Friedland zog die Familie nach Butjadingen-Stollhamm, später für einige Jahre nach Bitburg. Noch bevor seine Eltern 1999 in die Gemeinde Rastede zogen, kehrte Nikolai Hecht bereits in den Nordwesten zurück. 1997 kam er nach Oldenburg, wo bereits eine Schwester lebte.
In der neuen Umgebung fand er sich aber auch nicht zurecht. „Er ist phlegmatisch. Er denkt: Irgendwie wird es schon werden. Selbst will er aber nichts dafür tun“, schilderte der Psychiater seinen Eindruck im Prozess.
In Oldenburg rutschte Hecht schnell ins Drogenmilieu ab. Über Marihuana kam er an Heroin. Seine Sucht finanzierte er mit Diebstählen und dem Verkauf von Drogen, so der Gutachter. Wiederholt musste sich der damalige Sozialhilfeempfänger vor Gericht verantworten. Nach mehreren Bewährungsstrafen 2005 wurde Hecht nach einem Raub schließlich zu einer anderthalbjährigen Haftstrafe verurteilt, die er u.a. an der Gerichtstraße verbüßte.
Seine damaligen Mitgefangenen beschrieben Hecht als aggressiv und fordernd. Auch hinter Gittern fiel er durch Drogenmissbrauch auf. Eine Therapie brach er ab.
Anschließend lebte Hecht u.a. in einer heruntergekommenen Sozialwohnung in Wahnbek. Der Holzklotz soll laut Spuren der Ermittler von dem Grundstück stammen.
Seit seiner Festnahme sitzt Hecht in der Justizvollzugsanstalt an der Cloppenburger Straße. Wo er seine nun rechtskräftige Haftstrafe verbüßen wird, muss das Land entscheiden. Vermutlich wird er nach Celle verlegt. Dort sitzen die meisten Lebenslänglichen.
