OLDENBURG - Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) plant den nächsten Großverkauf. Nach der Donnerschwee-Kaserne soll auch die an den ehemaligen Fliegerhorst angrenzende Siedlung Brokhausen Ende 2012 bzw. Anfang 2013 an einen Investor veräußert werden. Durch den Verkauf der 161 Häuser dürfte sich ein zweistelliger Millionenbetrag erzielen lassen.
Gegen das Vorhaben regt sich jedoch Widerstand. „Seit Jahren ist bekannt, dass sich viele Mieter der Siedlung um einen Erwerb der von ihnen genutzten Immobilien bemühen. Trotzdem sollen die Häuser jetzt über die Köpfe der Mieter hinweg verkauft werden“, kritisiert der SPD-Landtagsabgeordnete und Ratsherr Jürgen Krogmann.
Die Siedlung Brokhausen entstand Anfang der 50er Jahre und besteht aus einer Ansammlung von Reihenhäusern. Ursprünglich wohnten dort Bundeswehrangehörige mit ihren Familien.
Nach Angaben von Ratsherr Christoph Sahm (SPD) gab es bereits mehrere Gespräche über einen möglichen Verkauf an die GSG. Die Überlegung sei dabei gewesen, dass die Wohnungsbaugesellschaft die Häuser weitervermietet oder an interessierte Bewohner verkauft.
Eine Interessengemeinschaft der Anwohner hatte sich schon 2009 um einen Kauf der Häuser bemüht. „Auf die von uns gewünschte Mieterprivatisierung ging die Bima aber nicht ein“, berichtet Anwohner Max Lindenberg.
Als ärgerlich empfindet er es, dass nun kurz vor dem geplanten Verkauf auch noch die Miete um mehr als zehn Prozent erhöht wurde. Die Bima verweist darauf, dass man die Mieten letztmalig vor zwölf Jahren angehoben hatte. Ratsherr Sahm vermutet einen anderen Grund: „Offenbar will man die Braut hübsch machen, um sie dann an einen überregionalen Investor zu verschachern.“
Die SPD lässt das Thema nun auf die Tagesordnung des Bau- und des Verkehrsausschusses setzen. „Auch wenn die Hoffnung nicht allzu groß ist, muss man versuchen, zu retten, was zu retten ist“, erklärt Ratsherr Christoph Sahm das Anliegen seiner Fraktion.
„Einen Direktverkauf an die Mieter würden wir bevorzugen. Das Problem ist aber: Die Straßen in der Siedlung gehören uns. Wir können nicht die Häuser verkaufen und auf den Straßen sitzen bleiben“, sagt Wera Buhr vom Oldenburger Büro der Bima. Die Ausschreibung werde voraussichtlich im Herbst veröffentlicht. Den Zuschlag erhalte dann der Höchstbietende.
Denkbar ist aber auch, dass die Stadt die Straßen in der Siedlung übernimmt. Den Mietern schrieb die Bima jedoch, die Übertragung der Straßen in das städtische Eigentum sei leider nicht gelungen. „Wir sind sehr verwundert über diese Aussage“, so Stadtsprecher Andreas van Hooven. Seit Dezember lägen dem Bima-Vorstand in Bonn verschiedene Optionen dazu vor. „Aber eine Antwort haben wir bislang nicht bekommen.“
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Kossendey, der sich wiederholt im Bundesfinanzministerium für einen Verkauf der Häuser an GSG bzw. Mieter einsetzte, will nun Stadtrat- und -verwaltung sowie Bima und GSG an einen Tisch bringen, um das Thema zu besprechen.
