Oldenburg - Mit knapp bemessenem Budget auszukommen, ist ein schwieriges Unterfangen. Bei der Familienplanung vertraut da vielleicht manch einer mit schmalem Geldbeutel auf sein Glück.
Freie Entscheidung
Doch das muss nicht sein: Von der Stadt stehen Geldmittel zur Verfügung, um auch Menschen mit geringem Einkommen dieselben freien und verantwortungsbewussten Entscheidungen in Sachen Familienplanung zu ermöglichen, wie allen anderen Mitgliedern der Gesellschaft auch. Die Sache ist: Es könnten noch mehr Männer und Frauen die Unterstützung in Anspruch nehmen, die Geldmittel werden nicht komplett abgerufen.
Seit zehn Jahren gibt es diese freiwillige Leistung der Stadt. Über das Wie, Wer und Wie viel informiert ein Faltblatt, das das Gleichstellungsbüro jetzt neu aufgelegt und an entsprechende Stellen verteilt hat.
Ausgegebenen wird das Geld in der Beratungsstelle von Pro Familia und der Awo. Wobei ausgegeben nicht ganz stimmt: Die finanzielle Unterstützung, zum Beispiel in Form eines Zuschusses zur Anti-Baby-Pille oder Spirale, wird der Empfängerin oder dem Empfänger überwiesen.
Den Zuschuss beziehen können Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld II, Grundsicherung, Wohngeld, Kinderzuschlag und Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.
Gefördert werden ärztlich verordnete Verhütungsmittel wie Pille, Dreimonatsspritze, Spirale. Kondome sind in der Förderung nicht vorgesehen.
Um das Geld zu erhalten muss in den Stellen von Pro Familia (Rosenstraße 44) und Awo (Cloppenburger Straße 65) ein Personalausweis, aktueller Leistungsbescheid, Kostenvoranschlag sowie das Rezept und der Zahlungsbeleg vorgezeigt werden.
Dafür müssen Empfängerinnen oder Empfänger lediglich das Rezept vorlegen. Bis zu 100 Euro im Jahr können so pro Person verausgabt werden. Das kann eine enorme Erleichterung bedeutet, wird bedacht, dass bei der Pille beispielsweise schnell 30 Euro im Quartal fällig werden. Männer können eine Beihilfe zur Sterilisation bekommen, deren Kosten sich gut und gerne auf 350 bis 500 Euro belaufen können.
Kein großes Prozedere
„Bei der Auszahlung achten wir darauf, dass das Verfahren sehr einfach ist und kein großes Prozedere notwendig ist“, erklärt Kathrin Boltes, Leiterin von Pro Familia. Durchschnittlich nehmen dort 160 Frauen jährlich den Zuschuss in Anspruch. Bei Ulrike Kleen, die mit der Beratungsstelle der Awo später eingestiegen ist, waren es knapp 20. Und noch eine Sache liegt Ulrike Kleen am Herzen: „Viele wissen nicht, dass die Pille jetzt bis zum 22. Lebensjahr kostenfrei ausgegeben wird.“ Das heißt, die Krankenkassen übernehmen die Kosten zwei Jahre länger.
