Oldenburg - Das Leben geht sonderbare Wege – und der Tod ist ein ständiger Begleiter: Burhan Ozbilici, Fotograf der Associated Press (AP), schaute am Abend des 19. Dezember 2016 auf seinem Nachhauseweg im türkischen Ankara in einer nahegelegenen Kunstgalerie vorbei. Dort musste er durch seine Kamera beobachten, dass der russische Botschafter, der die Ausstellung eröffnet wurde, von einem Attentäter erschossen wurde. Obwohl er sich selbst in Lebensgefahr begab, hielt Ozbilici das Attentat mit seiner Kamera fest und machte das Foto, das den Preis des „World Press Photo of the Year 2017“ erhalten sollte.

Die dramatische Momentaufnahme zeigt die Pose eines triumphierenden Mörders unmittelbar nach der Tat. „Die Entscheidung der Jury für dieses Bild war äußerst umstritten“, berichtet Claus Spitzer-Ewersmann, Initiator der „World Press Photo“. Einerseits bringt es den Hass auf den Punkt, andererseits lasse es sich als Terrorpropaganda interpretieren. Selbstverständlich werde die Aufnahme in Oldenburg zu sehen sein, „aber in Zusammenhang mit den anderen Bildern aus der Serie Burhan Ozbilicis.“ Zudem soll es eine Diskussion zum Thema geben.

Als Werbemotiv auf Postern oder Bannern wird es dagegen nicht eingesetzt: „Wir wollen dem Mörder keine Plattform zur Inszenierung geben“, stellt Spitzer-Ewersmann fest.

Die Nordwest-Zeitung hatte in der Berichterstattung über das Attentat das Foto im Ausschnitt als Dokument der Zeitgeschichte veröffentlicht (siehe Ausriss in der Mitte).

Oliver Schulz
Oliver Schulz Redaktion Kultur/Medien (Ltg.)