OLDENBURG - An den 1. Juli mag Oldenburgs DRK-Chef Tom Borsum gar nicht denken. Mit Aussetzung des Wehrdienstes fällt dann nämlich auch der Zivildienst weg. „Und das trifft uns schwer“, stöhnt Borsum. Personallücken befürchtet er vor allem bei der Seniorenbeförderung und in der individuellen Einzelbetreuung der Tagespflege, wo seine zwölf Zivis in der Hauptsache eingesetzt sind. Es bestehe die Gefahr, dass beispielsweise die Seniorenbeförderung gestrichen werden müsse.

Viele soziale Einrichtungen in Oldenburg stehen vor ähnlichen Problemen. Sie überlegen, wie sie den Wegfall des Zivildienstes kompensieren können. „Es wird schwer, geeignetes Personal zu finden. Die Tätigkeit im Fahrdienst ist eine klassische 400-Euro-Tätigkeit. Dafür kämen z.B. Frührentner in Frage. Diese Arbeitskräfte werden künftig sehr begehrt sein“, vermutet Tom Borsum.

Beim Paritätischen Wohlfahrtsverband kümmern sich die 15 Zivildienstleistenden vor allem um die Behindertenbeförderung und die Essensauslieferung. Sollten Festangestellte diese Arbeit übernehmen, würden sich die Angebote deutlich verteuern. Für die Zukunft möchte der Verband daher auf den von der Bundesregierung angestrebten Freiwilligendienst zurückgreifen. „Ob wir genügend Freiwillige für die Stellen finden, wissen wir natürlich noch nicht. Es gibt aber schon Interessenten“, berichtet Dominik Tummescheit, Einsatzleiter Mobile Dienste beim Paritätischen.

Im Rettungsdienst und Krankentransport setzt der Malteser Hilfsdienst derzeit noch vier Zivis ein. Ab 1. Juli sollen deren Aufgaben von zwei zusätzlichen hauptamtlichen Mitarbeitern übernommen werden. „Damit kommen wir hin“, erklärt Dienststellenleiter Frank Flake.

Auch die Johanniter-Unfall-Hilfe setzt im Rettungsdienst nur noch auf hauptamtliche Mitarbeiter. Wie die Zivis im Behindertenfahrdienst ersetzt werden sollen, weiß Regional-Vorstand Wilfried Barysch aber noch nicht. „Wir müssen das neu durchkalkulieren und schauen, ob wir das mit Aushilfen hinbekommen.“ Von Freiwilligen gebe es kaum Nachfrage.

Die Selam-Lebenshilfe verzichtet schon seit einigen Jahren auf Zivildienstleistende. Zwei Mitarbeiter des „Freiwilligen sozialen Jahres“ beschäftigt der in der Behindertenarbeit engagierte Verein in seiner Tagesförderstätte. Geschäftsführer Manfred Diers: „Die Zeit des Zivildienstes war für unsere Belange zu kurz. Ich hoffe nur, dass wir auch künftig wieder Freiwillige bekommen.“