Oppeln/Breslau/Görlitz - Wieder in Deutschland. Heute abend habe ich Görlitz erreicht. Es war der vorletzte Tag der Reise. Dieses Deutschland hat sich schon aus der Ferne unübersehbar bemerkbar gemacht: Die Windkraftanlagen, die in Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Polen die Landschaften (noch) nicht (zer-)stören, sie sind schon weit aus der schlesischen Ebene östlich von Görlitz zu sehen.
Den Tag habe ich in dieser alten Kulturlandschaft verbracht, und den Vormittag im Städtchen Oppeln in Oberschlesien. Es liegt knapp 100 Kilometer östlich von Breslau, und das Gebiet um die Stadt ist das Zentrum der deutschen Minderheit in Polen. Dort habe ich mich mit Zuzanna Donath-Kasiura getroffen. Sie ist Sekretärin der „Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien“ und seit kurzer Zeit auch Abgeordnete des Regionalparlamentes der Woiwodschaft Oppeln.
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Der schöne Markt in Oppeln ist morgens ein verschlafener Ort. (Foto: Will)
Dabei ist diese Vereinigung aber eben nicht nur ein schlichter Kulturverein: Hier wird Politik gemacht. In der vergangen Kommunalwahl sind die Deutschen erneut mit eigenen Listen angetreten – und waren recht erfolgreich. Worauf Zuzanna Donath-Kasiura besonders stolz ist: Viele Polen haben in manchen Gemeinden für Bürgermeister gestimmt, die auf der Minderheiten-Liste angetreten sind. Das zeige, dass sich gute Politik und gute Programme eben durchsetzten.
Wo den Oppelner Deutschen heute der Schuh drückt, wie vielschichtig die Identität dieser Menschen ist, wie Geschichte für eine Minderheit politische Bedeutung hat, warum Zuzanna Donath-Kasiura große Hoffnungen auf die EU setzt und auf welche Strategie die Minderheitspolitiker zur Europa-Wahl setzen – demnächst in der NWZ.
