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NWZonline.de Nachrichten Politik

Ostsee-Tunnel statt Brücke

22.01.2011

KOPENHAGEN Doch keine Brücke: Ein 17,6 Kilometer langer Tunnel unter der Ostsee soll Fahrten zwischen Hamburg und Kopenhagen ab 2020 um eine Stunde verkürzen.

Statt gigantischer Brückenpfeiler über den Fehmarnbelt wollen die Skandinavier jetzt den längsten Absenktunnel der Welt mit vorgefertigten Betonröhren bauen: Jeweils 200 Meter lang und mit 70 000 Tonnen so schwer wie ein Tankschiff sind die Elemente. Ab 2014 sollen sie am Meeresgrund zwischen Puttgarden auf Fehmarn in Schleswig-Holstein und dem dänischen Rødby auf Lolland verlegt werden.

„Vor allem die Sicherheit für die Schifffahrt spricht wohl doch für die Tunnel- statt der Brückenlösung“, meint Dänemarks Verkehrsminister Hans Christian Schmidt. Im Verkehrsausschuss des Kopenhagener Folketing hat er dafür eine breite Mehrheit hinter sich, nachdem in den letzten Jahren eigentlich der Brückenbau als angesagt galt.

Den Dänen gefällt am Tunnel-Modell inzwischen auch besser, dass es der heimischen Bauindustrie sowie den Nachbarn in Deutschland und Polen mehr Einkünfte verspricht als ein Brückenbau mit viel Stahl aus Fernost. Die Entscheidung treffen die Skandinavier souverän ohne deutsche Beteiligung, weil sie auch die Rechnung – ganz freiwillig – allein begleichen wollen. Bei 5,1 Milliarden Euro liegen die Schätzungen für den Absenktunnel und bei 5,2 Milliarden für eine Brücke.

Trotz der gigantischen Kosten und Kritik von Umweltschützern müssen sich die dänischen Politiker wohl kaum vor Bürgerprotesten fürchten. Jedenfalls nicht im eigenen Land. Bei einem „Bürgerdialog“ am Donnerstagabend im Hafenstädtchen Rødby wurden so gut wie keine grundsätzlichen Einwände auf Dänisch vorgebracht: Die Kritiker waren Deutsche und hatten mit der Fähre von Fehmarn übergesetzt, wo das Projekt heftig umstritten ist.

Die Tonlage wechselte unüberhörbar, wenn sich immer wieder Deutsche wie die Grünen-Politikerin Christiane Stodt-Kirchholtes oder Malte Siegert vom Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung zu Wort meldeten. „Wir auf Fehmarn wollen weder eine Brücke noch einen Tunnel, weil beides unsere Insel kaputt machen würde“, rief Stodt-Kirchholtes in die mit 500 Zuhörern gut gefüllte Sporthalle.

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