PAPENBURG - An Werner Remmers kommt wohl niemand vorbei. Der geistreiche Mann aus dem Emsland, der in der Landespolitik und der CDU-Erwachsenenbildung Eckpfeiler gesetzt hat, gewinnt durch sein interessiertes Entgegenkommen. Er kann zuhören, bewerten und entscheiden, und diese Eigenschaften haben ihn vor allem in der Landespolitik berechenbar gemacht, auch wenn er durchaus nicht immer den vorgezeichneten christdemokratischen Wegen folgen wollte.
Als im Februar 1976 Ernst Albrecht überraschend zum Ministerpräsidenten Niedersachsens gewählt wurde und sein „Kabinett der Paradiesvögel“ formte, holte er den gestandenen Regionalpolitiker Werner Remmers, er war Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Osnabrück-Emsland, an die Spitze des wichtigen Schulressorts. Remmers erfüllte keineswegs immer die Wünsche konservativer Parteifreunde. Er legte gegen Widerstand den Grundstein für das Berufsgrundbildungsjahr. Er löste die bestehenden Gesamtschulen nicht auf und setzte die Einführung der zweijährigen Orientierungsstufe fort, um die es eine nicht enden wollende überbrandende Diskussion gab. Aber er trat auch nachdrücklich für das dreigegliederte Schulsystem ein. Die Hauptschule, die eines seiner vier Kinder besuchte, war für ihn ein wichtiger Teil dieser Struktur. Und das Motto, dem er sich verpflichtet fühlte, hieß „Ruhe an der Schule“.
Mit seinem Witz und seiner Fröhlichkeit hatte er in den Landtagsdebatten oft die Lacher auf seiner Seite, und seine zupackende Art kam ihm 1982, als er bei zahlreichen Gegenstimmen zum Vorsitzenden der CDU-Fraktion gewählt wurde, schon bald zugute. Das Parlament, das lange unter der Dominanz des Kabinetts gelitten hatte, kam zu neuem Selbstvertrauen. Die Fraktion schaute erst recht über den Tellerrand – auch nach Osten. Im Jahr 1983 fuhr Remmers mit ihr vier Tage durch die DDR. Es war eine politisch bedeutsame, viel beachtete Reise.
Es war im Juli 1986, als Albrecht Werner Remmers erneut in die Landesregierung einband – als ersten Umweltminister Niedersachsens. Zu jener Zeit war aus der grünen Bewegung eine Partei gewachsen, und die traditionellen Parteien wollten darauf eine Antwort finden. Remmers trat an, um auf diesem Sektor zu agieren und nicht erst zu reagieren, wenn ein „grünes Thema“ bereits in der Öffentlichkeit heiß diskutiert wurde. Aber diesmal hatte er Pech. Die Affäre um das Kohlekraftwerk Buschhaus, dessen Rauchgasentschwefelungsanlage nicht funktionierte, weitete sich zum Skandal aus. An ihm wurde die neue niedersächsische Umweltpolitik gemessen und somit auch der zuständige Ressortminister.
Das Wort „Albrecht-Politik“ war auch auf anderen Gebieten kein Synonym mehr für Fortschritt und Erneuerung. Die Landtagswahl 1990 ging für die CDU verloren. Gerhard Schröder löste Ernst Albrecht ab und die Greenpeace-Geschäftsführerin Monika Griefahn beerbte Werner Remmers. Er blieb zwar zunächst als Abgeordneter im Landtag, startete aber 1991 eine weitere Karriere als Gründungsrektor der Katholischen Akademie in Berlin. Als „Steilvorlage des lieben Gottes“, die genutzt werden müsse, bezeichnete er diese Aufgabe einmal, die er bis 1999 ausfüllte. Heute wohnt Remmers in Papenburg.
Werner Remmers machte keine halben Sachen – in der Erwachsenenbildung nicht und erst recht nicht in der Landespolitik, in der er selbstbewusst und fröhlich auftrat, aber ernsthaft und mit viel Energie seine Aufgaben anpackte. Dabei holte er sich Unterstützung und Rat nicht nur aus dem ihm als Minister zur Verfügung stehenden Apparat. In seinem schmucklosen Übernachtungsdomizil in Hannover trafen sich häufig engagierte Runden, in denen ausgesprochen und durchdacht wurde, was noch längst nicht spruchreif war, aber in Politik mündete.
