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NWZonline.de Nachrichten Politik

Deutscher Kardinal Muss Gehen: Papst Franziskus trennt sich von Hardliner Müller

02.07.2017

Rom Als Papst Franziskus 2013 sein Amt antrat, übernahm er bei der Besetzung der Kurie ein Erbe seines Vorgängers Benedikt. Dieser hatte 2012 den ehemaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Leiter der vatikanischen Glaubenskongregation gemacht. Franziskus hielt an Müller fest, obwohl sich schon damals viele fragten, ob das gutgehen kann.

Als Gralshüter der katholischen Tradition stand der deutsche Kardinal wie Benedikt für eine sehr konservative Linie. Die von Franziskus betriebene Öffnung der Kirche lehnte er weitgehend ab. Jetzt hat der Papst einen Schlussstrich gezogen - Müllers Amtszeit endet.

Wie fremd sich beide sind, wurde spätestens bei den Bischofssynoden zu den Themen Ehe und Familie 2014/15 deutlich. In seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ öffnete der Papst anschließend den Zugang zur Kommunion in Einzelfällen auch für wiederverheiratete Geschiedene. Die Deutsche Bischofskonferenz griff das auf und setzte die neue Regelung mit einem eigenen Schreiben in Kraft.

Kardinal Müller kritisierte das. Niemand, auch nicht der Papst, könne die dogmatische, durch Jesus selbst eingeschärfte Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe verändern, mahnte er. Er sah seine Rolle darin, Aussagen des Papstes nachzujustieren und in Form zu bringen.

„Das sind Äußerungen, wo jeder Chef einen rausschmeißen würde“, sagt der ehemalige Regensburger Dogmatikprofessor Wolfgang Beinert. Ein Rausschmiss vor dem Ende der fünfjährigen Amtszeit wäre aber ein Affront auch gegen Benedikt XVI. gewesen, dem Müller - Mitherausgeber der Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers - sehr nahesteht. Für Ratzinger war Regensburg ja zu einer Heimat geworden: Er wohnte im Vorort Pentling und lehrte wie Müller an der Uni Regensburg. Benedikts Bruder Georg Ratzinger leitete die Regensburger Domspatzen.

Franziskus will die Kirche nicht gewaltsam, sondern behutsam öffnen. Daher blieb Müller zunächst im Amt, aber er spielte kaum noch eine Rolle und hatte auch kaum noch Zugang zum Papst. Eigentlich haben Ressortchefs beim Papst regelmäßig Audienzen. Franziskus stellte das im Fall von Müller ab, wie Beinert berichtet: „Er hat gesagt: „Ich rufe Sie, wenn ich Sie brauche.“ Und offensichtlich brauchte er ihn nicht sehr oft.“

Dabei gab es auch eine große Gemeinsamkeit zwischen dem Papst aus Buenos Aires und dem deutschen Glaubenswächter: der Kampf gegen die Armut in Lateinamerika. In einem Armenviertel in Peru wurde Müller zum Ehrenbürger ernannt. Dem Begründer der Befreiungstheologie, dem Peruaner Gustavo Gutierrez, ist er eng verbunden. Kein Wunder also, dass Jorge Mario Bergoglio für Müllers Buch „Arm für die Armen“ ein Vorwort verfasste.

Doch die von Franziskus vorangetriebene Kurienreform gegen Korruption und Misswirtschaft soll Müller behindert haben. Mehrfach setzte er sich auch für den ehemaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ein, der 2014 abberufen wurde, nachdem die Kosten für den Bau eines neuen, protzigen Bischofssitzes auf rund 31 Millionen Euro gestiegen waren - ein Vielfaches der ursprünglich geplanten Summe. Schon als Regensburger Bischof brachte Müller viele Gläubige gegen sich auf, als er die Mitbestimmungsrechte von Laien in der Kirche beschnitt. Eine Diakoninnenweihe hat der 69-Jährige ausgeschlossen. Franziskus dagegen kündigte im Mai 2016 an, die Zulassung von Frauen zum Diakonenamt prüfen zu lassen.

Doch zur Belastung wurde Müller jetzt auch aus einem anderen Grund: Die größte Krise der katholischen Kirche seit Jahrzehnten, der Skandal um sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche, hat die Führung im Vatikan erfasst. Der Finanzchef, Kardinal George Pell, musste sich am Donnerstag beurlauben lassen, um sich in seinem Heimatland Australien einem Ermittlungsverfahren zu stellen.

Als Präfekt der Glaubenskongregation war Müller dafür zuständig, Missbrauchsfälle aufzuklären. Doch die Dimension des Skandals spielte er herunter. Es habe sich nur um Einzelfälle gehandelt, nicht um ein systematisches Versagen der Kirche, meinte er. Er beklagte eine „Pogromstimmung“ gegen die Kirche. Müller selbst stand auch in der Kritik, weil er als Regensburger Bischof die Aufklärung des Missbrauchskandals bei den Domspatzen verzögert haben soll - was er dementierte.

Für Empörung sorgte auch der Fall Riekofen: Das Bistum hatte den Gläubigen in der Gemeinde jahrelang verschwiegen, dass ihr Priester wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft ist - prompt verging sich der Mann wieder an einem Ministranten. Müller lehnte eine Entschuldigung im Namen der Kirche ab und sagte: „Die Verantwortung für die Tat trägt der Täter.“

Der gebürtige Mainzer sagte der „Allgemeinen Zeitung“ am Samstag: „Differenzen zwischen mir und Papst Franziskus gab es nicht.“ Bedauerlich sei es aber gewesen, dass drei seiner Mitarbeiter vor wenigen Wochen von Franziskus entlassen wurden. „Das waren kompetente Leute“, sagte Müller. Franziskus scheint das anders gesehen zu haben.

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