NWZ
-Anfrage, die Vorsitzenden-Wahl sei de facto nichtig.Laut SPD-Satzung sei im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen erforderlich. Lehmensiek hätte von den 30 gültigen Stimmen also mindestens 16 (absolute Mehrheit) benötigt. Im zweiten Wahlgang hätte eine einfache Mehrheit ausgereicht.
„Ich bedaure die Situation“, sagte Lehmensiek derNWZ
am Sonntag. Man werde nun so schnell wie möglich eine zweite Wahl organisieren. „Ich trete wieder an.“Die Wahl am Freitag hatte die Landtagsabgeordnete Renate Geuter (SPD) geleitet. Sie unterbrach die Sitzung, nachdem Lehmensiek als Gegenkandidatin nominiert wurde. Augenscheinlich hatte damit niemand im Vorstand gerechnet. Denn die zuvor an jedes stimmberechtigte Mitglied verteilten Umschläge enthielten nur Roßmann als Bewerber für den Vorsitz. Nach der Pause erhielten beide Kandidaten noch einmal die Gelegenheit, für sich zu werben. Lehmensiek (63) sprach davon, dass sie nicht „aus Jux und Tollerei“ antrete, sondern weil sie von der Basis gebeten worden sei. „Es hat in den vergangenen zwei Jahren Respektlosigkeiten gegeben, die viele Ortsvereinsmitglieder nicht hinnehmen wollen.“ Die Solidarität sei ausgeblieben, aber gerade dafür stehe die SPD. „Ich möchte für einen Klimawandel im Ortsverein werben.“ Gerade das Miteinander mache stark. Um neue Mitglieder zu werben, schlug Lehmensiek einen „SPD-Schnupperkurs“ vor, in dem Menschen vier Monate lang die ehrenamtliche Arbeit hautnah erleben könnten.
Roßmann berief sich auf seinen Jahresbericht, die vielen Termine im vergangenen „Superwahljahr“ sowie die Aufnahme von neun neuen Mitgliedern. Im Unterbezirk habe die Wildeshauser SPD wieder einen guten Namen. „Diesen Weg möchte ich weiter beschreiten“, erklärte Rossmann, der sichtlich betroffen auf die Gegenkandidatur der 63-Jährigen reagierte.
Als stellvertretender Vorsitzender wurde Walter Panschar gewählt. Er trat erst im vergangenen Jahr in die Partei ein und wurde mit 28 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen gewählt. Einstimmig wiedergewählt wurde Kassenwart Jürgen Wiesner. Schriftführer Ulrich Becker (29 Ja-Stimmen, eine Enthaltung) erhielt erneut das Vertrauen. Beisitzer sind künftig Ludger Marcy, Miriam Fastje und Thomas Harms. Auch sie gehören zu den Neulingen in der Partei.
Abschließend berichtete Evelyn Goosmann aus der Fraktionsarbeit. Dazu gehörten die Komplexe Schulsanierungen, Haushalt sowie die Entwicklung eines Leitbildes für Wildeshausen.
Paukenschlag bei der Versammlung des SPD-Ortsvereins Wildeshausen: Überraschend wurde Ratsmitglied Gerda Lehmensiek zur neuen Ortsvereinsvorsitzenden gewählt. Die Ratsfrau löst Norbert Roßmann nach nur einer Wahlperiode ab. In der geheimen Wahl entfielen auf Lehmensiek 15, auf Roßmann 13 Stimmen. Zwei Teilnehmer enthielten sich.
Lehmensiek war offenkundig von älteren Parteimitgliedern gebeten worden zu kandidieren. Sie rief zur innerparteilichen Geschlossenheit auf.
