Als deutschen Patrioten würdigte Bundespräsident Horst Köhler den am Wochenende verstorbenen Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dass Paul Spiegel gern und mit innerer Überzeugung in Deutschland gelebt hat – trotz der erlittenen Verfolgung in der Kindheit – ist gewiss richtig. Doch mit seiner auch im persönlichen Umgang offenen, glaubwürdigen und menschlich überzeugenden Art wirkte der Präsident des Zentralrats auch als eine Klammer zwischen den jüdischen Gemeinden und den vielen Gruppen der Gesellschaft. Seine Worte hatten Gewicht, wenn auch bewusst nicht die Wucht seines Amtsvorgängers Ignatz Bubis. Beeindruckend war Paul Spiegel dennoch. Er lebte Toleranz vor. Nicht nur zwischen den Religionen.

Für den Nachfolger oder die Nachfolgerin im Amt bleiben die großen Probleme. Viele der in den letzten Jahren aufblühenden jüdischen Gemeinden haben ihre Wurzeln in Osteuropa. Paul Spiegel war ein vielfach erfolgreicher Moderator bei Spannungen und Konflikten. Diese Eigenschaft wäre auch dem Nachfolger zu wünschen.

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