Berlin - Es lief schon lange nicht mehr rund bei den selbst ernannten „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Doch dass gleich die ganze Führungsriege auseinanderbricht, kommt überraschend. Erst der Rücktritt des Frontmanns Lutz Bachmann wegen des „Hitler“-Selfies und Ausländerbeleidigungen, nun schmeißt gleich die Hälfte der Führung hin – darunter Sprecherin Kathrin Oertel.

Bachmann sorgte von Anfang an für Unruhe und Unmut in der Pegida-Spitze. Schon vor Monaten kam seine zwielichtige Vergangenheit ans Licht. Damals kündigte er schon einmal an, sich aus der ersten Reihe zurückzuziehen. Aber er tat es nicht. Auch nach dem neuen Skandal verkündete er seinen Rückzug. Und wieder blieb er.

Einigen aus der Pegida-Spitze wurde es nun zu viel. Einer der Aussteiger, das AfD-Mitglied Achim Exner, erklärt: „Bislang hat sich Pegida auf die bürgerliche Mitte konzentriert, derzeit gibt es jedoch eine Tendenz zum rechten Rand, die wir nicht mittragen können.“ Auch René Jahn, der ebenfalls den Führungszirkel verlassen hat, schimpft: „Mit diesem Nazi-Zeug möchte ich nichts zu tun haben.“

Bachmann stellt die Sache anders dar. Oertel habe sich zurückgezogen, weil sie aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden sei. Nun müsse ein neuer Vorstand gewählt werden. Übernimmt Bachmann wieder die Führung? Er verneint. Dafür stehe er nicht zur Verfügung. „Ich bin auch froh, dass ich draußen bin. Ich will gar nicht mehr.“ Und Oertel? Von ihr persönlich ist erstmal nichts zu hören.

Ist Pegida nun am Ende? Die Meinungen der Experten gehen auseinander. Der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke sieht keine Zukunft mehr für das Bündnis. „Man kann keine Bewegung erhalten, die in sich zerstritten ist und nicht weiß, was sie will“, meint er. Das Aufbauen von Feindbildern – gegen Muslime und Zuwanderer – genüge nicht, um die Bewegung zusammenzuhalten.

Der Extremismus-Experte Timo Reinfrank von der Amadeu-Antonio-Stiftung ist zurückhaltender. „Personalfragen haben für die meisten Leute, die da auf die Straße gehen, keine Relevanz.“ Aber auch Reinfrank glaubt nicht, dass die Bewegung noch weiter wachsen wird – in vielen Städten werde sie eher ganz verschwinden, meint er.

Der Dresdener Politologe Werner Patzelt meint, die nächste Demonstration werde zeigen, wie es mit Pegida weitergeht, „ob sich nur ein paar hundert Rechtsradikale einfinden statt den Tausenden Aufgebrachten der letzten Male“. Die „Stunde der Wahrheit“ verzögert sich aber: Die Demo für Montag hat Pegida erst einmal abgesagt.