PEKING - Chinas Führung hat nach den machtpolitischen Erschütterungen um Spitzenfunktionär Bo Xilai die Internetzensur im Land verschärft. Die Suche nach dem Namen Bo Xilai und seiner unter Mordverdacht stehenden Frau Gu Kailai war am Mittwoch in den Weibo genannten Kurznachrichtendiensten gesperrt. Beobachter sahen darin den Versuch der Führung, die Diskussion über die Vorgänge einzudämmen, was aber nur begrenzt gelang. Bo Xilai, bislang Parteichef der Metropole Chongqing und Favorit für den engsten Führungszirkel, steht unter Korruptionsverdacht.
Die in der Nacht zum Mittwoch verbreitete Nachricht von dem dringenden Mordverdacht gegen die Politikerfrau nach dem Tod des britischen Geschäftsmannes Neil Heywood hatte Schockwellen ausgelöst. Der 41-jährige Brite gehörte zum inneren Zirkel der Familie. Doch gab es wohl Streit mit der Politikerfrau um geschäftliche Dinge.
Die Regierung unterrichtete Großbritannien und die USA über die Ermittlungen, wie der Sprecher des Außenministeriums, Liu Weimin, vor Journalisten berichtete.
Die Kommunistische Partei mahnte das Land zur Einheit, was auf mögliche innerparteiliche Unstimmigkeiten hindeuten könnte. Nach der zeitgleich mit den Mordermittlungen verkündeten Entlassung des charismatischen Politikers aus dem Politbüro und dem Zentralkomitee rief das Parteiorgan Volkszeitung in einem Leitartikel zur festen Unterstützung für die korrekte Entscheidung des Zentralkomitees auf.
Gegen Bo Xilai wird kein Mordverdacht erhoben, sondern wegen ernster Disziplinarverstöße ermittelt. Es wurde vermutet, dass er die Ermittlungen gegen seine Familie unterbinden wollte.
Der Prinzling ist Sohn des Revolutionärs Bo Yibo, der zu den acht Unsterblichen der Macht-Elite gehörte.
