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NWZonline.de Nachrichten Politik

Peres’ Traum vom Frieden prägt auch sein Begräbnis

01.10.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-10-02T09:30:06Z 280 158

Trauerfeier In Jerusalem:
Peres’ Traum vom Frieden prägt auch sein Begräbnis

Jerusalem Zwar bleibt Schimon Peres“ Vision von einem Frieden im Nahen Osten auch nach seinem Tod eine Vision. Sie prägte aber nicht nur sein Leben, sondern nun auch sein Staatsbegräbnis. „Schimon sah seinen Traum von Frieden niemals Wirklichkeit werden“, sagt US-Präsident Barack Obama am Freitag auf dem Nationalfriedhof Herzl-Berg in Jerusalem. „Die Region geht durch eine chaotische Zeit. Bedrohungen sind immer präsent und dennoch hörte er nie auf, zu träumen, und er hörte nie auf, zu arbeiten.“

Trauerfeier für Schimon Peres: Emotionaler Abschied

Wie geschätzt Peres in der Welt war, zeigt ein Blick in die ersten Stuhlreihen bei der emotionalen Zeremonie: Etliche hohe Würdenträger sitzen da. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat ganz vorne einen Platz bekommen, direkt neben EU-Ratspräsident Donald Tusk. Prinz Charles spricht mit dem französischen Präsidenten François Hollande, dessen Vorgänger Nicolas Sarkozy ebenso dabei ist wie Großbritanniens Ex-Premier Tony Blair, der neben David Cameron sitzt. Bundespräsident Joachim Gauck ist da, ebenso Spaniens König Felipe IV. und Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto.

Wie Obama haben viele eine jüdische Kippa auf dem Kopf. Der Respekt vor Peres ist ebenso offensichtlich wie die Ehrfurcht vor ihm. „Er war ein großer Mann Israels. Er war ein großer Mann der Welt. Israel trauert um ihn. Die Welt trauert um ihn“, sagt der israelische Ministerpräsident Netanjahu. Er war eigentlich stets ein Rivale von Peres mit ganz anderen Visionen. Heute sagt er: „Ich habe dich geliebt. Wir alle haben dich geliebt.“

Dann tragen acht Männer der Ehrengarde den Sarg an seine letzte Ruhestätte, er wird in die Erde hinabgelassen. Die israelische Flagge, die den Sarg bis eben noch bedeckt hat, wird gehoben. Der letzte Vertreter der israelischen Gründergeneration liegt nun neben vielen seiner Mitstreiter.

22 Jahre ist es her, da bekam Schimon Peres für seine Bemühungen für einen Frieden in Nahost den Nobelpreis verliehen. Der damalige Außenminister stand bei der Verleihung neben seinem Regierungschef Izchak Rabin und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat, sie erhielten den Preis als nahöstliches Hoffnungs-Trio. Rabin liegt auf dem Friedhof nun direkt neben ihm begraben.

Diese Hoffnung des Jahres 1994, sie ist 2016 weitgehend erloschen. In den vergangenen Wochen kam es erneut zu Messerattacken junger Palästinenser auf israelische Sicherheitskräfte - ein trauriges Phänomen, das im Herbst und Winter 2015 zur Tötung von rund 215 Palästinensern - laut israelischer Darstellung weitgehend Angreifern - und 34 Israelis geführt hatte. Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis ist noch immer einer, der mehr durch Krieg als durch Frieden geprägt zu sein scheint.

Obama, seit Jahren ein Freund von Peres und wie er ein Friedensnobelpreisträger, weist darauf hin, dass auch Krieg in Peres“ Leben eine Rolle gespielt habe. Der Israeli habe gewährleistet, dass die jüdische Bevölkerung das Rüstzeug zum Sicherstellen ihrer Freiheit gehabt habe, sagt Obama. Er habe den Grundstein für die bewaffneten israelischen Streitkräfte gelegt, die so Kriege gewonnen hätten.

Obamas Vorvorgänger Bill Clinton, der beim Nahost-Friedensprozess der 90er Jahre eine wichtige Unterhändlerrolle gespielt hatte, bezeichnet Peres als „größten Träumer“, den Israel jemals gekannt habe. Und Reuven Rivlin, der Peres 2014 als Präsident nachfolgte, erinnert daran, dass sein Vorgänger nicht nur ein „Mann mit Weitblick“, sondern auch ein „Mann der Tat“ gewesen sei.

Abbas“ Teilnahme zeigt, wie schwierig der Friedensprozess in Nahost bleibt. Dass Abbas Peres in Jerusalem die letzte Ehre erweist, wird schon vorab von der radikalpalästinensischen Hamas als Affront ans eigene Volk verstanden. Peres sei ein Krimineller gewesen, sagt Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri. Der Weg zum Frieden bleibt weit, der Handschlag von Abbas und Netanjahu fällt nicht gerade herzlich aus.

Die Palästinenser streben einen eigenen Staat an, der das Westjordanland, den Gazastreifen und Ostjerusalem umfasst - Gebiete, die Israel im Sechs-Tage-Krieg 1967 erobert hatte. Netanjahu lehnt es ab, die Grenzen von vor 1967 als Ausgangspunkt für Friedensverhandlungen anzuerkennen. Er will Gespräche ohne jegliche Vorbedingungen, während die Palästinenser erst mit Israel sprechen wollen, wenn es den Siedlungsbau in den Palästinensergebieten einstellt.

Er sei davon überzeugt, so hob Peres immer wieder hervor, dass er den Frieden im Nahen Osten noch erleben werde. Das wird er nun nicht mehr. Obama sagt in seiner Trauerrede aber, dass Peres niemals müde geworden sei, Projekte voranzutreiben. Für Obama ist diese Einstellung ein Hoffnungsschimmer.

„Es ist dieser Glauben, dieser Optimismus, diese Überzeugung, dass es - selbst wenn alle Beweise dagegen sprechen - morgen besser sein kann, was dazu führt, dass wir Schimon Peres nicht nur ehren, sondern lieben“, sagt Obama. Er fügt auf Hebräisch hinzu: „Vielen Dank, mein lieber Freund.“

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