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NWZonline.de Nachrichten Politik

Angela Merkel In Prag: Pfeifkonzerte und Buhrufe für die Bundeskanzlerin

26.08.2016

Prag Nicht eine, sondern gleich sechs Anti-Merkel-Demonstrationen, Pfeifkonzerte und Buhrufe: Das gehörte auch zum Empfang von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Prag. Die Sprüche der Zuwanderungsgegner reichten am Donnerstag von „Merkel muss weg“ bis hin zu „Prag gehört uns Tschechen“.

Auch der Anti-Islam-Block des Rechtspopulisten Martin Konvicka putschte seine Anhänger auf: „Merkel begrüßt illegale Migranten, wir „begrüßen“ dafür Merkel!“ Für kurze Zeit stellten Rechtspopulisten eine Barrikade aus Pappkartons vor den Regierungssitz am Moldauufer, wohl um die Kanzlerin fernzuhalten.

Die drei Pro-Merkel-Demos gingen da eher unter. Tatsächlich hat die Bundeskanzlerin mit ihrer offenherzigen Flüchtlingspolitik in Tschechien nicht viele Freunde gewonnen. „Merkel ist keine Verbrecherin“, lautete die Überschrift eines Zeitungskommentars vor dem Besuch - als ob dies eine Frage wäre.

In einer aktuellen Umfrage bewerteten nur 18 Prozent der Tschechen die Arbeit der CDU-Politikerin positiv. „Europa kann das nicht stemmen“, titelte das Boulevardblatt „Blesk“ über Fotos von Merkel und Migranten.

Die Erwartungshaltung in Prag war groß: Merkel sollte sich und ihre Willkommenspolitik für Schutzsuchende erklären. Ministerpräsident Bohuslav Sobotka betonte, dass er keiner dauerhafte Umverteilung von Flüchtlingen in Europa zustimmen werde.

Merkel nahm alles gelassen, sagte: „Ich denke, wir bleiben im Gespräch.“ Sie findet sogar Worte des Lobes: „Das hat schon sehr gezählt, dass die Tschechische Republik immer das EU-Türkei-Abkommen unterstützt hat.“ Und sie räumt ein, dass auch Deutschland einst einmal zu den Quotengegnern gezählt habe.

Unter Ausschluss der Presse sollte die Kanzlerin am Abend noch Präsident Milos Zeman treffen, der die deutsche Willkommenspolitik „Unsinn“ und „falschen Humanismus“ genannt hatte. Keine angenehme Aufgabe für Merkel, meinte ein tschechischer Politologe - aber sie habe eine Elefantenhaut.

Prag ist eigentlich ein Ort, mit dem die Bundeskanzlerin viele positive Erinnerungen verbindet. Zwischen 1980 und 1983 verbrachte sie dreimal drei Monate an der tschechischen Akademie der Wissenschaften. Die junge Nachwuchswissenschaftlerin aus der DDR forschte über Quantenchemie, lernte viele Menschen kennen und erweiterte ihren Horizont.

„Im Vergleich zu Ostberlin fand ich Prag viel internationaler“, merkte sie einmal rückblickend an. Ein paar Brocken Tschechisch beherrscht Merkel bis heute, jedenfalls genug, um die versammelten Journalisten zu begrüßen oder ein „smazeny rizek“ (Schnitzel) mit einer „lahev bileho vina“ (Weißweinflasche) zu bestellen.

Der zweite, angenehmere Programmpunkt in Prag sollte die Kanzlerin an diese Lehr- und Wanderjahre erinnern. Es ging an die Technische Hochschule CVUT. Dort entsteht für knapp 50 Millionen Euro in Zusammenarbeit mit deutschen Experten ein neues Forschungszentrum zu einem Thema, das hochaktuell ist. „Industrie 4.0“ heißt das Zauberwort. Gemeint ist damit die Digitalisierung und Vernetzung der industriellen Produktion.

Hier ist Angela Merkel gern gesehen: „Ihr Besuch ist ein Zeichen der Unterstützung für unsere Arbeit und ein wichtiger Impuls“, sagte Professor Vladimir Marik der Deutschen Presse-Agentur. Das Projekt sei existenziell auf die Kooperation mit deutschen Experten angewiesen, die im Zentrum der Entwicklung von Industrie 4.0 stünden. „Für unser Land ist typisch, dass es zwar nicht groß ist, aber fähige Menschen hat“, meint der Experte für Kybernetik.

Die Wirtschaft beider Länder ist eng verzahnt, das gemeinsame Handelsvolumen erreicht 2015 mit 75,7 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Es könnten noch mehr sein, wenn die Verkehrsverbindungen besser wären. Regierungschef Sobotka hofft, das letzte Stück der Autobahn Dresden-Prag bis Jahresende fertigzustellen. „Jeder, der sich bei Usti nad Labem da irgendwie durchgequält hat, wird das begrüßen“, erläuterte Merkel.

Nach einer kurzen Verschnaufpause in Berlin geht es für die Kanzlerin an diesem Freitag weiter nach Warschau. Beim Treffen der vier sogenannten Visegrad-Staaten hat Merkel ein Wiedersehen mit Sobotka. Doch sie trifft auch auf Viktor Orban, der Grenzzäune errichten ließ, und Robert Fico, der beim EuGH gegen die Flüchtlingsquoten klagt. Gastgeberin Beata Szydlo macht mit umstrittenen Justizreformen von sich Reden. War Prag schon kein einfacher Besuch für Merkel, gilt das für Warschau doppelt.

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