Sannum - Nicht ganz leicht zu finden ist der Waldfriedhof Sannum am Westerburger Weg im Ortsteil Sannum bei Huntlosen. Mitten in einem Waldgebiet befindet sich die letzte Ruhestätte: ein Ehrenfriedhof für Ausländer. Dort trafen sich am Sonnabend zehn Mitglieder der Reservistenkameradschaft Huntlosen sowie zwei Jugendliche zum ganztätigen Pflegeeinsatz. „Das machen wir einmal im Jahr“, sagte der erste RK-Vorsitzende Mario Addicks, der zusammen mit Ralf zu Klampen die Leitung innehatte.
„Heute sind Beschnitt, Aufreinigung der Gehwege und andere pflegende Maßnahmen sowie Reparaturen angesagt“, stellte der Vorsitzende heraus. Ein ehrgeiziges Vorhaben, denn der Bewuchs hatte sich über das Jahr stark ausgebreitet.
Dank sprach Addicks der Freiwilligen Feuerwehr Huntlosen aus. Mit Tankwagen und Notstromaggregat wurde die Aktion erst möglich. Ortsbrandmeister Rolf Meiners war mit dem schweren Gerät zum Ehrenfriedhof gefahren.
Der Bekanntheitsgrad des Waldfriedhofes Sannum ist nicht sehr hoch. Eine Ortstafel weist auf die Gräberstätte hin. Eingerichtet wurde der Ehrenfriedhof aus der Not. Angesichts vieler ausländischer Kriegsopfer und Tuberkulosekranken, die im Krankenhaus Huntlosen verstarben, war eine „Friedhofsbeschaffung“ dringend notwendig.
Am 24. März 1945 schrieb der Oberkirchenrat in einem Brief an den Landrat des Landkreises Oldenburg, dass der Bedarf an Gräbern in Huntlosen deshalb so groß sei, weil die benachbarten Gemeinden es unterlassen würden, die eingelieferten Kranken im Sterbefall wieder abzuholen. So hätte Ahlhorn die Abholung der Verstorbenen mangels Transportmöglichkeit verweigert, wohl aber Arbeitskräfte mit dem Lastwagen nach Huntlosen entsandt.
Einen Tag zuvor war die Mitteilung ergangen, dass 14 Leichen zum Teil schon seit Februar lägen und noch nicht beerdigt worden seien. Am 26. März 1945 fand dann die Bestattung statt, obwohl der Friedhof nach Kirchenangaben noch nicht einmal reichen würde, um die Huntloser aufzunehmen.
Der heutige Waldfriedhof war schon vom Sonderkrankenhaus geplant worden. 1944 wurde eine drei Hektar große Fläche beschlagnahmt.
Nach der Kapitulation kam das Krankenhaus unter britische Leitung. Hauptsächlich Fremdarbeiter und Patienten mit offener Tuberkulose wurden behandelt. 218 Ausländer aus acht Nationen fanden hier eine letzte Ruhestätte, darunter 118 Polen und 90 Bürger der ehemaligen Sowjetunion. Aber auch hiesige Tuberkulose-Patienten.
1952 wurde der Friedhof von der LVA an die Gemeinde Großenkneten übertragen. Heute pflegt die RK Huntlosen den Ehrenfriedhof.
