• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Uneinsichtig bis zu seinem Tod

06.08.2019

Phnom Penh Bullig und mürrisch zeigte sich Nuon Chea, der Chefideologe des Rote-Khmer-Regimes in Kambodscha, meist vor dem Kriegsverbrechertribunal. Die Augen hinter einer dicken Sonnenbrille versteckt, die Glatze meist unter einer Strickmütze – so entzog er sich den Blicken Überlebender und Opfer im Zuschauersaal. Jahrelang hofften sie vergeblich auf Einsicht, echte Reue, eine Entschuldigung. Am Sonntag starb Nuon Chea im Alter von 93 Jahren in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh.

Im November vergangenen Jahres war Nuon Chea wegen Völkermordes an Minderheiten verurteilt worden. Er erhielt dafür von dem Gericht in Phnom Penh seine zweite lebenslange Haftstrafe, nachdem er bereits 2014 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden war.

Nuon Chea war als „Bruder Nummer Zwei“ hinter Regime-Chef Pol Pot berüchtigt. Die ultrakommunistische Riege terrorisierte das Land von 1975 bis 1979. Sie wollte aus Kambodscha einen maoistischen Bauernstaat machen, schaffte das Geld ab und jagte die Städter aufs Land. Doch wurden die Anführer schnell paranoid, witterten fast in jedem einen Verräter. In diesen Jahren starben knapp 1,7 Millionen Menschen entweder durch Folter, Hinrichtungen, Zwangsarbeit oder an Hunger.

Pol Pot galt schon als ruchlos und brutal. „Verglichen mit Nuon Chea betrachteten die Leute ihn aber als Ausbund an Güte“, schrieb Historiker Ben Kieran 1996. 1978 ordnete er die Folter und Ermordung von zwei seiner Nichten und deren Ehemänner an. Familienbande waren unter den Roten Khmer verpönt. Unbedingter Gehorsam galt nur der Partei.

Dem Gemetzel setzten die Vietnamesen 1979 mit ihrem Einmarsch ein Ende. Pol Pot und Nuon Chea flohen mit Anhängern in den Dschungel an die Grenze zu Thailand. Pol Pot starb dort 1998 unter dubiosen Umständen.

Nuon Chea gab im selben Jahr seinen Widerstand gegen die Regierung von Hun Sen auf, räumte im Gegenzug für Straffreiheit Bedauern ein. Nachdem die UN nach jahrelangen Verhandlungen mit der Regierung endlich das Völkermordtribunal auf die Beine stellten, wurde er 2007 festgenommen. Vier Jahre später begann der Prozess gegen ihn.

Nuon Chea wehrte sich gegen die Vorwürfe der Ankläger: „Das vorherige Regime war korrupt, wir mussten die Spießerallüren zerstören.“ Er sah sich stets im Kampf gegen „die Diebe, die unser Land stehlen und Kambodscha auslöschen wollten“. Im Mai 2013 räumte er nach zahlreichen Zeugenaussagen über die sinnlose Gewalt erstmals „moralische Verantwortung“ ein: „Ich bereue die Straftaten, die absichtlich oder unabsichtlich begangen wurden, ob ich davon wusste oder nicht.“ Überzeugend klang das allerdings nicht.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.