Parallel zum Wahlkampf gastiert der bekannte Circus Krone auf dem Schützenplatz in Hannover. Noch bis Sonntag ist das Programm „Stars in der Manege“ zu sehen, bevor die Truppe weiter nach Hamburg zieht. Der Neustart in Hannover war etwas Besonderes, erzählt Zirkuschef Martin Lacey. Denn zu Beginn der Corona-Krise 2020 musste Krone seine Produktion „Mandana“ abrupt einstellen. Die Mitarbeiter bekamen Kurzarbeitergeld. Für Löwen, Tiger, Pferde, Kamele & Co. mussten andere Geldquellen erschlossen werden. Umso glücklicher ist Lacey, dass jetzt das Publikum zurückgekehrt – und kräftig Applaus für die Artisten spendet.
In der Politik ist das anders, jedenfalls mit dem Applaus. Vielleicht ist das ein Grund, warum der Landtagswahlkampf auf öffentlichen Plätzen noch nicht so recht auf Touren gekommen ist. Noch überwiegt die Zahl der Talk-Runden vor dem Wahltag 9. Oktober: Da lädt der Nabu zur Podiumsdiskussion zum Umweltschutz nach Verden ein. Der Paritätische talkt im „Peppermint Pavillon“ über Fachkräftemangel und Armut. Der Landesfrauenrat bittet zu genderpolitischen Themen aufs Podium. Der Diakonie geht’s beim Talk ums Ehrenamt. Und die Aktion „Junge Stimme“ will jugendpolitische Themen mit den Sprechern der Fraktionen diskutieren. Zwischendurch nochmal ein Symposium mit dem Verfassungsschutz oder ein Bürgertalk mit Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Er will von Sebastian Lehnhoff, Vorstandschef des Oldenburger Informatik-Instituts OFFIS, und Christine Minke, Vorstandsmitglied des Clausthaler Umwelttechnik-Forschungszentrums, wissen, wie Deutschland die Energiewende beschleunigen kann.
Alles gute und wichtige Themen, keine Frage. Aber kann es nicht ein bisschen bürgernäher sein? Wahlkampf ist erst auf der Straße so richtig Wahlkampf. Mit Applaus, Pfiffen und Zwischenrufen. Mit Klingeln an der Haustür und kurzweiliger Ansprache vorm Supermarkt. Nun sollen die Berliner Polit-VIPs die Spitzenkandidaten pushen: Die SPD spannt Arbeitsminister Hubertus Heil, die Parteichef Lars Klingbeil und Saskia Esken und Generalsekretär Kevin Kühnert ein. Die CDU holt Bundesparteichef Friedrich Merz gleich zu 19 Auftritten in acht Tagen. Bei der FDP müssen alle Bundesminister ran; Parteichef Christian Lindner bekommt sieben Termine an drei Tagen. Und die Grünen erwarten unter anderem ihre „Aushängeschilder“ Annalena Baerbock und Robert Habeck. Und natürlich sind wir gern dabei, wenn Grünen-Spitzenkandidat Christian Meyer mit Landwirten über den Wolf spricht.
Die FDP will ihren Wahlkampfabschluss am 7. Oktober übrigens in der früheren Königlichen Reithalle begehen. Schade, dass Martin Lacey nicht dabei ist. Der ist nämlich nicht nur Zirkusdirektor, sondern auch Dompteur.
