Wasserschutz ist für Bäuerinnen und Bauern ein wichtiges Thema – und zwar nicht nur am Tag des Wassers oder in ausgewiesenen Schutzgebieten. So könnte man in Niedersachsen das Grundwasser fast flächendeckend ohne weitere Aufbereitung als Trinkwasser verwenden, zumindest mit Blick auf den Nitratgehalt. Nur 1,4 Prozent der 1315 Messstellen für Grundwasser im Land weisen eine Belastung von mehr als 50 Milligramm Nitrat auf. Hier handelt es sich wohlgemerkt um den strengen EU-Grenzwert für Trinkwasser!
So liegt im Schnitt die Nitratkonzentration des für die Trinkwasseraufbereitung geförderten Grundwassers mit 5,2 Milligramm je Liter bei einem Zehntel des von der EU für Trinkwasser festgesetzten Wertes von 50 Milligramm pro Liter. Dieses Ergebnis kann zweifelsfrei als natürlicher Hintergrundwert bezeichnet werden, darf aber nicht als Aufforderung zu mehr Nachlässigkeit beim Wasserschutz missverstanden werden.
Die immer wieder von Umweltverbänden und auch verschiedenen Politikerinnen und Politikern geschürte Angst vor zu viel Nitrat im Trinkwasser geht an diesen Fakten dagegen leider grundlegend vorbei. Die gegenüber der Landwirtschaft erhobenen Vorwürfe unterscheiden weder zwischen Grund- und Trinkwasser noch oberflächennahen Gewässern. Hier muss man genauer hinsehen, zumal es sich bei dem Grenzwert für Trinkwasser um einen extrem strengen Vorsorgewert handelt.
Bei den Messstellen, die näher an der Oberfläche liegen und dem sogenannten Warn-Netz zuzuordnen sind, liegen die Nitratgehalte zweifelsfrei höher. Hier weisen gut ein Drittel aller Proben höhere Werte als 50 Milligramm Nitrat je Liter auf.
Diese Messungen nehmen die Landwirte als Herausforderung an, um in ihrer Vorsorge noch besser zu werden: Eine erhöhte Belastung im Grundwasser will auch die Landwirtschaft von vornherein vermeiden.
Deshalb wirtschaften Landwirte in Trinkwasserschutzgebieten unter Beachtung spezieller Auflagen. Sie tragen dafür Sorge, dass exakt bemessene Düngergaben eine Auswaschung vermeiden oder eine Pflanzendecke über die Wintermonate die Nährstoffe im Boden festhält. Düngung wird nicht nur hier streng nach Pflanzenbedarf und auf Grundlage der im Boden ermittelten Nährstoffwerte bemessen.
Der Gedanke „viel hilft viel“ hat schon seit Jahren ausgedient, das ist auch am rückläufigen Einsatz von Mineraldünger abzulesen. Unter landwirtschaftlichen Flächen findet die wichtige Grundwasserneubildung statt, Landwirte sind daher Teil des Wasserkreislaufes. Sie „ge“-brauchen Wasser, aber sie „ver“-brauchen es nicht.
Sauberes, einwandfreies und ausreichend verfügbares Wasser ist auch für die Landwirtschaft von höchster Bedeutung. Sie braucht es für das Wachstum der Pflanzen ebenso wie als Tränkewasser in der Tierhaltung. Der Schutz des Wassers spielt selbstverständlich für zukünftige Generationen weiter eine wichtige Rolle.
Landwirte wollen noch besser und exakter wirtschaften. Dabei erwarten sie von der Politik Unterstützung und Hilfe. Solche Angebote würden nicht zuletzt auch den Schutz des Wassers noch weiter voranbringen.
Autor dieses Beitrages ist Werner Hilse. Der 64-Jährige ist Präsident des Landvolks Niedersachsen und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes.
