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NWZonline.de Nachrichten Politik

Politisch korrekt: CSD Stuttgart gibt sich keine Blöße

30.07.2017

Stuttgart (dpa) - Immer wieder gibt es im Zusammenhang mit Christopher Street Days die Ansicht mancher Leute, dass die manchmal freizügigen oder gar ganz entblößten Teilnehmer bei den Polit-Paraden den Anliegen der Demonstrierenden eher schaden würden. Im Schwabenland - beim CSD in Stuttgart - kam es dieses Jahr zu einer Debatte dazu im Vorfeld.

Das Motto der Veranstaltung vom Samstag hieß "Perspektiv-Wechsel". Laut Polizei kamen etwa 175 000 Zuschauer.

Damit bei der Parade neben den extravaganten Kostümen und der ausgelassenen Stimmung der politische Charakter nicht zu kurz kommt, gab es zum dritten Mal eine Jury, die alle teilnehmenden Gruppen bewerten sollte.

Diese Jury wurde von manchen als "Sittenwächter"-Jury bezeichnet, die womöglich gegen zu viel nackte Haut vorgehe. Christoph Michl, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft CSD Stuttgart, betonte aber, dass dies nicht die Aufgabe der Jury sei.

Hintergrund der Debatte waren Äußerungen von Jurymitglied und Lottozahlen-Moderator Chris Fleischhauer. Der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" hatte der selbst offen schwule Moderator im Vorfeld mit Blick auf den CSD gesagt, er habe ein Problem mit zur Schau gestellter "sexueller Freizügigkeit".

Doch am Samstag schienen sich alle Jurymitglieder einig: Die politische Botschaft spiele eine große Rolle, aber das Feiern und der Spaß seien genauso wichtig. Wegen zu viel Nacktheit griffen sie jedenfalls nicht ein und gaben auch keine schlechte Bewertung ab.

"Neben der Botschaft finde ich es wichtig, wie die Gruppen das Publikum mitnehmen und ihre Ansichten rüberbringen", sagte etwa Jurymitglied Margarete Voll. Jurymitglied Tobias Gehre vom CSD Münster legte dagegen mehr Wert auf Gender-Gerechtigkeit.

"Wir haben dieses Jahr zwei Erfolge zu feiern, mit der Ehe für alle und der Rehabilitierung der Betroffenen des Homosexuellen-Paragrafen", listete der Stuttgarter CSD-Geschäftsführer Michl auf. Ziel sei aber weiter auch, echte Akzeptanz in alle Köpfe zu bringen.

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