Oldenburg - Der Konflikt zwischen der IS-Terrormiliz und den Kurden im Irak und in Syrien hat längst Auswirkungen auf Deutschland. So ist die Zahl der Islamisten, die von Deutschland nach Syrien ausgereist sind, deutlich gestiegen. Für Oldenburg gibt es solche Tendenzen offenbar nicht. „Uns sind in der Stadt weder Fälle von ausreisewilligen IS-Sympathisanten noch von Salafismus bekannt“, berichtete Wilhelm Rillmann von der Polizei am Dienstagabend im Integrationsausschuss. Der Beamte arbeitet seit 2003 als Dialogbeauftragter und Mittler zwischen Polizei und Migranten.
Auch Massenschlägereien zwischen Kurden und radikalen Islamisten (wie in Hamburg und Celle) hat es laut Rillmann in Oldenburg bislang nicht gegeben. Zu kleineren Auseinandersetzungen kam es aber schon. Die Polizei weiß von zwei tätlichen Angriffen. In beiden Fällen sollen Jesiden (Kurden) auf Muslime losgegangen sein. Es habe auch Drohungen gegen Muslime gegeben. Die Drohungen hatten zur Folge, dass die Polizei die Mayram-Moschee an der Alexanderstraße während des Freitagsgebets bewachte. Junge Jesiden hätten angekündigt, die Moscheen stürmen zu wollen.
Thema in der Sitzung war auch das Vorleben von Marco G. Der 27-Jährige ist in Düsseldorf angeklagt wegen des gescheiterten Bombenanschlags im Bahnhof Bonn im Dezember 2012 (NWZ berichtete). G. wuchs in Oldenburg auf. Als 19-Jähriger soll er in der Jugendhaftanstalt Hameln mit dem Islam in Kontakt gekommen sein. Nach der Entlassung konvertierte er und besuchte offenbar regelmäßig die Mayram-Moschee an der Alexanderstraße. Im Juli 2011 zog G. nach Bonn. „Es steht nicht gerichtsbeweisbar fest, ob er sich in Oldenburg radikalisierte“, so Rillmann, der in die Ermittlungen gegen G. eingebunden war.
Integrationsbeauftragte Ayça Polat warnte davor, eine ganze Gemeinde für das Verhalten einzelner Personen zu verurteilen. Lobend erwähnte sie die Zusammenarbeit zwischen den kurdischen und muslimischen Gemeinden in Oldenburg. Vertreter dieser Gemeinden saßen erst am Dienstag auf Einladung des Oberbürgermeisters zusammen. Tuna Altiparmak, stellvertretender Vorsitzender der Ditib-Gemeinde, zum Ergebnis des Treffens: „Wir wollen präventive Maßnahmen für unsere Gemeinden erarbeiten, damit hier keine Ausschreitungen passieren.“
