Hannover - Mit einem Gehaltszuschlag will das Land Niedersachsen ausgewählte Polizisten dazu bewegen, über das reguläre Pensionsalter von 62 Jahren hinaus im Dienst zu bleiben. Angesichts der hohen Arbeitsbelastung der Polizei könnte die Weiterbeschäftigung erfahrener Beamter für eine Entlastung sorgen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Vorerst gebe es 50 derartige Stellen.

Polizisten, die auf Wunsch des Dienstherrn über das Pensionsalter hinaus arbeiten, sollen acht Prozent Gehaltszuschlag bekommen. Nach der aktuellen Gehaltstabelle erhält ein Hauptkommissar in der höchsten Dienstaltersstufe ohne Zulagen 3953 Euro brutto im Monat.

„Die Herausforderungen an die niedersächsische Polizei sind immens“, sagte Innenminister Boris Pistorius. Dies liege unter anderem am islamistischen Terrorismus und ähnlichen Bedrohungen, aber auch an der zunehmenden Internet-Kriminalität. „Darum ist es wichtig, dass wir so viele gute Leute in der Polizei haben wie möglich“, sagte der SPD-Politiker.

Der Vorteil der Verstärkung durch ältere Polizisten liege auf der Hand, sagte Pistorius. „Die Kolleginnen und Kollegen brauchen im Gegensatz zum Nachwuchs logischerweise keine Ausbildung oder ähnliches. Sie sind sofort und motiviert verfügbar, bringen ihre Erfahrung mit und sind deshalb ein Gewinn für die Organisation.“

Deshalb sollen zielgerichtet Polizisten angesprochen werden, die gesundheitlich fit, leistungsstark und besonders qualifiziert sind, sagte Ministeriumssprecherin Svenja Mischel. Aus dem Ruhestands-Jahrgang 2017 hat die Polizei bisher 16 Beamte zum Weitermachen bei erhöhten Bezügen bewegen können. Weitere 14 Polizisten, die 2018 das Pensionsalter erreichen, haben ebenfalls bereits zugesagt, dass sie länger arbeiten werden.

Bei der Deutschen Polizeigewerkschaft stößt die Maßnahme des Innenministeriums auf wenig Gegenliebe. Zumindest könne sie kaum helfen, den tatsächlichen Fehlbedarf an Beamten nennenswert zu reduzieren, sagte der Landesvorsitzende Alexander Zimbehl.

Niedersachsen habe aktuell zwar so viele Stellen bei der Polizei wie nie zuvor. Und die Landesregierung habe auch eine schrittweise Steigerung um weitere 1000 Stellen für Polizeivollzug und Verwaltung beschlossen, sagte Zimbehl. Aus Gewerkschaftssicht müssten aber noch sehr viel mehr Beamte zusätzlich ausgebildet und eingestellt werden, „um wirklich eine Entlastung zu erreichen“.