Hannover - Das Hanfgewächs Cannabis ist in einigen Regionen der Welt seit und 5000 Jahren als Rauschmittel bekannt. In Deutschland breitet sich der Konsum von Haschisch und Marihuana allerdings erst seit rund 50 Jahren aus. Inzwischen sind die Cannabis-Produkte zu Modedrogen geworden und nach Alkohol und Nikotin die am weitesten verbreiteten Rauschmittel. Die Zahl der Konsumenten wird auf rund drei Millionen geschätzt.

Diese Entwicklung bereitet Polizei und Suchtstellen immer größere Sorgen. „Cannabis ist die illegale Volksdroge Nummer eins und wird von der Polizei als gefährlich eingestuft“, sagt der Sprecher des Landeskriminalamtes Niedersachsen, Frank Federau. Die Polizei registriert alleine in Niedersachsen jährlich fast 18 000 Delikte in Zusammenhang mit Cannabisprodukten. Die Zahl der Plantagen, auf denen Cannabis-Pflanzen angebaut werden, nimmt seit etwa acht Jahren stetig zu.

Die politische Debatte wird schärfer, nicht nur in Niedersachsen. Cannabisprodukte gehören nach dem deutschen Betäubungsmittelgesetz zu den illegalen Suchtmitteln, deren Besitz und Anbau ebenso wie der Handel damit verboten sind und strafrechtlich verfolgt werden. Derzeit wird vor allem um den Eigenbedarf gestritten. Welche Menge Cannabis darf ein Konsument straffrei besitzen?

In 13 Bundesländern liegt diese Grenze derzeit bei sechs Gramm, in drei bei zehn Gramm. Die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen fordert eine Angleichung. Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) hält eine Erhöhung der Grenze für möglich. Das wird von der CDU und großen Teilen der SPD abgelehnt. Bei Grünen und FDP ist die Position nicht eindeutig. Linke und Piraten, die allerdings nicht im Parlament vertreten sind, kämpfen für eine weitgehende Legalisierung.

In der Politik verstärken sich die Forderungen, den Umgang mit Cannabis stärker am Wirkstoffgehalt auszurichten. Der Gehalt von Tetrahydrocannabinol (THC) beträgt bei in Deutschland gezogenen Nutzpflanzen nur etwa 1,5%. Speziell unter Gewächshausbedingungen herangezogene Sorten können bis zu 20% THC enthalten. Befürchtet wird dadurch eine höhere Suchtgefahr, geraden bei Jugendlichen. Derzeit sind rund 37 000 Konsumenten bundesweit in Entzugsbehandlung.