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EuGH: Schon einzelne Überschreitungen gelten als Verstoß
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Urteil Zu Luftschadstoff-Messungen
EuGH: Schon einzelne Überschreitungen gelten als Verstoß

NWZonline.de Nachrichten Politik

Aufsteiger, Macher, Reizfigur

06.04.2019

Vor ein paar Wochen meldete er sich wieder einmal zu Wort. Besorgt um den Zustand seiner Partei polterte Gerhard Schröder, warf SPD-Chefin Andrea Nahles „Amateurfehler“ vor und ließ kein gutes Haar an ihr und ihrer Arbeit. Um die Kanzlerin herauszufordern, brauche es Wirtschaftskompetenz. Und die würde sich Nahles wohl nicht einmal selbst bescheinigen, stichelte der Altkanzler. Das saß.

Knapp 14 Jahre ist es her, dass Gerhard Schröder die Bundestagswahl und das Kanzleramt an Angela Merkel (CDU) verlor. Doch macht er auch im politischen Unruhestand immer noch von sich reden. Am Sonntag feiert der frühere SPD- und Regierungschef seinen 75. Geburtstag. Ob Russlands Präsident Wladimir Putin als Überraschungsgast dabei sein wird? Zum 60. war der Kreml-Chef noch mit einem Kosakenchor zur großen Party angereist. Nur so viel ist bekannt: Der Altkanzler werde nicht in Hannover feiern, sondern mit seiner fünften Frau auf Urlaubstour durch die neuen Bundesländer.

Vom Arbeiterjungen aus einfachsten, ärmlichen Verhältnissen erst zu Niedersachsens Ministerpräsident und dann zum Bundeskanzler, einem der mächtigsten Staatenlenker der Welt – eine Bilderbuchgeschichte – eine klassische sozialdemokratische Aufsteigergeschichte.

„Ich will hier rein“, rief er als Juso und junger Bundestagsabgeordneter in der Opposition am Zaun des Bonner Kanzleramtes rüttelnd. Gemeinsam mit dem jungen Grünen Joschka Fischer, arbeitete er in der Bonner Kneipe „Provinz“ an den Grundlagen für eine rot-grüne Annäherung und das spätere Regierungsbündnis, das er sieben Jahre lang führte.

1998 löste er tatsächlich Helmut Kohl (CDU) als Kanzler ab, beendete eine Ära – und begann mit seiner rot-grünen Koalition eine neue. Der „Genosse der Bosse“, der Spieler, der Machtmensch, der mehr erreicht hat, als er selbst zu träumen gewagt hätte, wie ihn sein Biograf Gregor Schöllgen beschreibt. „Er sucht die Macht, er ist süchtig nach Macht, das weiß er, und dazu steht er“, schreibt Schöllgen.

Schröder war allem auch „ein begnadeter Wahlkämpfer, den man nie unterschätzen dürfte“, räumte auch seine Nachfolgerin Angela Merkel ein. Eine Erfahrung, die sie selbst noch 2005 im Bundestagswahlkampf machen musste, als dem damaligen Kanzler noch eine fulminante Aufholjagd gelungen war.

Schröder hatte auf vorgezogene Neuwahlen gesetzt, nach dem Wahldebakel in NRW auf einen Befreiungsschlag gehofft – und verloren. Legendär sein TV-Aufritt am Wahlabend in der „Elefantenrunde“, als er damals im Testosteron-Rausch Merkel prophezeit hatte, sie werde mit seiner SPD keine Große Koalition unter ihrer Führung bilden. Es kam anders.

Schröder ist bis heute ein homo politicus, ein Vollblutpolitiker, wie es ihn nicht oft gibt. Von den einen geliebt und geschätzt, von den anderen missachtet, ja gehasst.

Schröders Wort „vom lupenreinen Demokraten“ über seinen Freund, Russlands Präsident Wladimir Putin, und sein lukratives Engagement für russische Energieriesen werden ihm bis heute vorgehalten.

Schröders Agenda 2010, der Beginn der Reform des Arbeitsmarktes und der Sozialsysteme, wird heute von Union und FDP und von der Wirtschaft als Erfolg anerkannt, gilt als Grundlage für das Jobwunder der vergangenen Jahre. Die SPD dagegen geht auf Distanz.

Im Laufe seiner Kanzlerschaft wurden die Gräben zwischen ihm und seiner Partei immer größer. Schröder spürte in seiner zweiten Amtszeit die Kanzlerdämmerung.

Schröder galt in seiner Kanzlerschaft als „Genosse der Bosse“, ein SPD-Regierungschef, der etwas für die Wirtschaft tat, mit den Konzernchefs Cohiba-Zigarren rauchte, Rotwein trank und nur allzu gern hinter dem Steuer teurer Luxuskarossen für die Fotografen posierte. Ein Macho, der von „Gedöns“ sprach, wenn es um Frauen- und Familienpolitik ging, zu dessen Führungsstil das „Basta!“ gehörte.

Fußballfan Schröder galt als Medienkanzler, spielte mit den Kameraleuten und Fotografen, inszenierte sich geschickt, mal glamourös, mal volksnah. Mit seinem Spruch „Hol mir mal ne Flasche Bier, sonst streik ich hier“ auf einer Wahlkampftour, schaffte er es sogar mithilfe von Stefan Raab in die deutschen Charts. Und noch immer kann der Altkanzler heute – wie auf Knopfdruck – sein unnachahmliches Raubttierlächeln aufsetzen.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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