Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Bei seinem Einzug ins Europaparlament 1999 prophezeite Nigel Farage, dass Großbritannien die EU verlassen werde – und wurde deswegen verspottet. „Jeder fand das wahnsinnig komisch“, sagte Farage. Der Chef der Brexit-Partei ist dabei, seine Sachen zu packen, sein Büro zu räumen – mit dem stolzen Gefühl, dass er Recht behalten hat und sein Ziel erreicht ist: Am 31. Januar wird Großbritannien der EU den Rücken kehren.
Für Farage geht damit eine mehr als lebhafte Zeit als Europaparlamentarier zu Ende. Es waren Jahre, in denen er von Pro-EU-Kollegen oft verhöhnt und angegriffen wurde – und selber massiv austeilte, ja, das kontroverse Schauspiel geradezu genoss. Nicht umsonst hat er sich selbst als „pantomime villain“ bezeichnet: Gemeint ist damit der – überzogen dargestellte – Bösewicht in traditionellen britischen Pantomimen, der zu Buhrufen provoziert. So bescheinigte er etwa dem seinerzeitigen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy das „Charisma eines feuchten Lappens“.
Es sei eine Revolution gewesen, die niemals von innen hätte kommen können, sagt Farage. Er selber war einst Mitglied der Konservativen Partei und verließ sie, um in den frühen 1990er Jahren die britische Unabhängigkeitspartei mit zu begründen. Die Labour-Partei und die Konservativen hätten zwar über Teile der europäischen Gesetzgebung gestöhnt, sagt er. „Aber die Idee, wegzugehen, die Idee einer Abspaltung wäre innerhalb dieser Parteien nie toleriert worden.“
Doch am Ende konnte sich die Konservative Partei der von Farage genährten Woge nicht entziehen und stimmte schließlich einem Referendum 2016 zu. In den letzten Tagen vor der Abstimmung sorgte Farages Lager mit einem großflächigen Poster für Wirbel: Es suggerierte riesige Migrantenströme auf dem Weg nach Großbritannien als Ergebnis einer verfehlten EU-Politik. Farage wurde heftig wegen Angstschürerei kritisiert, aber das verhinderte nicht, dass er einen großen Sieg feierte.
„Ich komme daher und sage, ,Entschuldigung, ich habe eine andere Sichtweise’. Sie alle schreien, ,Rassist, Extremist’“, sagt Farage zurückblickend. „Alles, was ich getan habe, war, Leuten eine Gelegenheit zu geben, ihre wirklichen Gedanken zum Ausdruck zu bringen.“ Farage nimmt für sich in Anspruch, dass er eine Schlüsselrolle auf dem Weg zum Abschied von der EU gespielt hat. „Wenn ich nicht da gewesen wäre, würden wir nicht aussteigen.“
