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NWZonline.de Nachrichten Politik

Zwischen Tennisplatz und Teheran

01.10.2019

Die Maranatha Baptist Church in Plains im amerikanischen Bundesstaat Georgia weist an manchen Sonntagen Besucherschlangen auf, die die Zahl der Gemeindemitglieder – etwas mehr als zwei Dutzend – um das bis zu 50-fache übertreffen. Die Kirche hat dann eine besondere Art der Andacht zu bieten: Der Laienprediger hört nicht auf Titel wie Father oder Reverend: Die korrekte Ansprache des sein Leben lang sehr gläubigen Christen lautet: Mr. President. Mit weißem Haar spricht dann Jimmy Carter zu den Gläubigen. Am Dienstag, 1. Oktober, wird der 39. Präsident der USA 95 Jahre alt.

Durch sein politisches Wirken wurde das evangelikale Christentum der USA Teil des gesellschaftlichen Mainstreams. Dass die Evangelikalen heute mehrheitlich Anhänger eines ganz anderen Politikertypus sind – von US-Präsident Donald Trump – dürfte eine der schwersten Lasten sein, die des Jubilars Seele bedrücken. Carter, der von seinen Eltern die zum geflügelten Wort gewordene Erdnussfarm in Plains erbte, besuchte die Marineakademie in Annapolis und wurde Offizier der US Navy. Als die Erdnüsse Gewinn abwarfen, begann Carter seine recht dünne politische Karriere. Eine Amtszeit als Gouverneur von Georgia (1971-1975) war der Höhepunkt. Sein Selbstbewusstsein war ausgeprägt genug, um noch vor deren Ende seine Kandidatur für die Präsidentschaft zu verkünden.

Die Präsidentschaft Carters gilt bei Historikern weitgehend als eine der schlechteren. Seinem großen Erfolg, den Friedensschluss von Camp David zwischen Israel und Ägypten vermittelt zu haben, stehen eine Reihe von Rückschlägen gegenüber, zu denen Carters Neigung zum Mikromanagement – der Präsident organisierte unter anderem die Benutzung der Tennisplätze im Weißen Haus – einen Teil beitrug. Zur Katastrophe wurde die Demütigung der USA durch die Geiselnahme amerikanischer Diplomaten in Teheran im November 1979, die über 14 Monate, bis zu Carters letztem Tag im Amt, andauerte.

Carter ließ in den Augen seiner meisten Landsleute Führungsstärke vermissen, das von ihm in einer Fernsehansprache benutzte Wort „Malaise“ schien seine Regierung zu charakterisieren. Im November 1980 verlor er gegen Ronald Reagan, was ihn und seine ehrgeizige Frau Rosalynn erkennbar schmerzte. 2002 erhielt er den Friedensnobelpreis.

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