Hannover/Bremen - Um die wachsende Zahl junger deutscher Islamisten daran zu hindern, in den bewaffneten Kampf nach Syrien oder in den Irak zu ziehen, wollen niedersächsische Sicherheitsbehörden ihnen den Pass abnehmen. Das berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf den Verfassungsschutz. „Aktuell sind einige ausreisewillige Personen aus Niedersachsen bekannt, bei denen passentziehende Maßnahmen erwogen werden“, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Verfassungsschutzes der Zeitung.
Nach Angaben der Behörde leben rund 330 Salafisten in Niedersachsen. Den Erkenntnissen zufolge seien bisher zwölf Niedersachsen nach Syrien gereist, um sich am Kampf gegen das Assad-Regime zu beteiligen. Zum großen Teil stammen sie aus Wolfsburg und Braunschweig. Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht von deutschlandweit etwa 400 radikalen Islamisten aus, die sich an Kämpfen in Syrien und im Irak beteiligt haben.
Unterdessen kritisierte die niedersächsische CDU, dass es im Bundesland bislang kein Beratungsangebot für Freunde und Angehörige von Jugendlichen gibt, die in den radikalen Islamismus abzurutschen drohen. Angesichts der Entwicklungen in Syrien und im Irak müsse die Einrichtung „oberste Priorität“ haben, forderte CDU-Innenpolitikerin Angelika Jahns.
Die zuständige Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) versprach den Angaben zufolge, „schnellstmöglich“ eine effektive Beratungsstelle aufzubauen. Seit Ende 2013 gebe es einen Auftrag der Landesregierung. Derzeit findet sich das nächste Beratungsangebot in Bremen. Dort arbeiten zwei vom Bund finanzierte Halbtagskräfte. Die Aufgabe haben Beschäftigte des Bremer Vereins zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit (VAJA) übernommen.
