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Pro Und Contra Soll die A 20 gebaut werden?

Pro von Jasper Rittner

Jasper Rittner

Jasper Rittner

Wer direkt an der Trasse der künftigen A 20 lebt oder dort einen landwirtschaftlichen Betrieb hat, dessen Nein zur Küstenautobahn kann ich gut verstehen. Alle anderen im Nordwesten werden profitieren – Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen.

Man muss nur den Verkehrsfunk einschalten, um zu wissen, dass die bisher einzige Verbindung von Hamburg in unsere Region total überlastet ist. Gibt es eine Alternative zur A 1, bedeutet das: viel schnellere Fahrzeiten von und nach Hamburg und viel weniger Emissionen, weil es weniger Staus gibt.

Doch die Küstenautobahn ist noch viel mehr. Sie ist ein riesiges Wirtschaftsförderungsprogramm für unsere Region. Neben den Milliarden, die in den Bau fließen, bieten sich für die Gemeinden entlang der Strecke ganz neue Möglichkeiten. Wer früher abseits war von wichtigen Verkehrsströmen, ist nun mittendrin. Das gilt nicht nur, aber ganz besonders dann, wenn der Jade-Weser-Port sich positiv entwickelt. Aber auch ohne den Hafen wird die A 20 neue Gewerbegebiete an den Abfahrten nach sich ziehen. Das bedeutet neue Arbeitsplätze, neue Gewerbesteuerzahler.

Wer das nicht glaubt, muss nur nach Südoldenburg schauen. Die boomende Wirtschaft dort liegt auch an der guten Verkehrsanbindung.

Ja, es wird auch Natur für die Autobahn zerstört. Das ist aber den Preis, den wir für unseren Lebensstandard zahlen müssen.

Contra von Alexander Will

In Deutschland hat sich seit den 60er Jahren wenig geändert. Noch immer wird „Fortschritt“ in Hektar betonierter Fläche gemessen. Dieses Denken droht nun, eine großartige Kulturlandschaft unserer Region zu zerstören oder mindestens unumkehrbar zu beschädigen. Dabei ist dieser Autobahn-Irrsinn weder klug noch notwendig noch alternativlos.

Tausende Hektar Fläche würden für immer vernichtet. Weiden, Felder, Moore, eine weitgehend intakte, verkehrsarme Landschaft, würden zerschnitten, zerteilt, amputiert, verlärmt. Vom angeblichen wirtschaftlichen Aufschwung kann man weiter östlich, im A 20-Land Mecklenburg, ein Lied singen. Auch dort wurde eine Kulturlandschaft für das Versprechen wirtschaftlicher Entwicklung zerstört. Auf den Aufschwang wartet man noch immer. Zudem brauchen Seehäfen eine Südanbindung, und der Ost-West-Transit rollt ebenfalls weiter südlich. Hoch belastete Strecken wie am Elbtunnel oder bei Bremerförde würde die A 20 auch nicht helfen – die Staus dort entstehen durch den lokalen Verkehr in diesen Ballungsgebieten selbst. Statt intakte Landschaften zu betonieren, wäre es also klüger, vorhandene Verbindungen auszubauen.

Unter dem Strich hat die A 20 nichts zu bieten als vage Versprechungen, die sich nur zu bald als Luftnummern erweisen dürften. Viel zu oft wurde Unwiederbringliches durch konstruierte „ökonomische Notwendigkeit“ zerstört. Das muss ein Ende haben.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland
Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk
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