Nordenham - Mit einer Protestaktion vor dem Nordenhamer Finanzamt haben sich am Mittwoch Grünen-Bundestagskandidat Dragos Pancescu, Grünen-Landtagsabgeordnete Ina Korter und Heide Hildebrand, die der vierköpfigen Grünen-Stadtratsfraktion angehört, gegen die Einführung des Betreuungsgeldes gewendet.

Damit würden Steuergelder verschwendet. Dringender seien der weitere Ausbau und qualitative Verbesserungen von Krippen sowie eine bessere Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern.

Dragos Pancescu verteilte auch „Kitaplätzchen für alle“ an Passanten. Diese Plätzchen sollten die Forderung nach Ausbau der Kindertagesstätten unterstreichen.

Die Resonanz auf das Betreuungsgeld sei bisher allerdings gering, so Dragos Pancescu. „Kaum jemand will das Betreuungsgeld haben.“ In Delmenhorst lägen bisher nur zwei Anträge auf Betreuungsgeld vor, im Landkreis Oldenburg nur drei.

Wie mehrfach berichtet, wird ab diesem 1. August Betreuungsgeld von monatlich 100 Euro an Eltern gezahlt, die ihre ein- bis dreijährigen Kinder zu Hause erziehen und keine Krippe in Anspruch nehmen. Allerdings gilt die Regelung nur für Kinder, die im August 2012 oder später geboren sind. Hartz-IV-Empfänger können nicht profitieren, denn ihnen wird die Leistung von der Grundsicherung abgezogen.

Laut Ina Korter läuft die Beantragung von Betreuungsgeld in Niedersachsen und anderen Bundesländern nur schleppend an. Dagegen schreite der Ausbau der Krippenplätze in Niedersachsen gut voran. Die neue SPD/Grünen-Landesregierung habe seit März dieses Jahres rund 12 000 Betreuungsplätze für unter drei Jahre alte Kinder gefördert.

Dragos Pancescu meint: „Mit dem Betreuungsgeld fällt die Bundesregierung zurück in alte Denkmuster. Anstatt das wirklich Notwendige für den Ausbau der Kinderbetreuung aufzubringen, damit alle Eltern endlich die Möglichkeit haben, Familie und Beruf zu vereinbaren, will die schwarz-gelbe Regierung Mütter finanziell unterstützen, wenn sie zu Hause bleiben. Das Betreuungsgeld ist damit eine ’Herdprämie’.“